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Du bist niemals zu jung für ein glückliches Leben!

Veröffentlicht am 8. Februar 2021

Autorin: Petra Sewing-Mestre

Altersdiskrimination ist ein grosses Thema in unserer Gesellschaft. Aber dieses Phänomen trifft eben nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge.

Aus vielen Zuschriften weiss ich, dass auch sehr viele junge Mädchen und Frauen meinen Blog lesen und den Newsletter abonnieren. Auch sie fühlen sich oft verunsichert, weil sie die Erfahrung machen, dass sie von ihrer Umwelt und den Mitmenschen (oft sogar innerhalb der eigenen Familie) nicht ernst genommen oder belächelt werden, wenn sie über ihre Ansichten, Pläne und Lebenserfahrungen sprechen.

«Du bist zu jung, um das zu verstehen…», «Werde du erst mal älter …»

Das sind Äusserungen, die wir meistens als völlig normal empfinden. Und zwar oft die Personen, an die sie gerichtet sind und noch mehr diejenigen, die diese Aussagen gedankenlos machen, weil sie der Meinung sind, ein jüngerer Mensch sei, aufgrund seines jungen Alters weniger wertvoll, nutzlos oder nicht vertrauenswürdig.

Kinder und junge Menschen können in unserer Gesellschaft nur sehr selten über sie existenziell betreffenden Angelegenheiten entscheiden oder zumindest mitentscheiden. Auch in der aktuellen Corona-Situation, in der Kinder und Jugendliche durch die Schliessung aller Bildungs- und Freizeiteinrichtungen zwar hochgradig betroffen waren, fand keine Beteiligung junger Menschen an diesen Beschlüssen statt.

Kleine Kinder sind logischerweise auf die Fürsorge, Unterstützung und Liebe ihrer Bezugspersonen angewiesen – keine Frage. Kinder und Jugendliche erleben jedoch immer wieder, wie Erwachsene in einer Weise über ihr Leben bestimmen, die ihre eigenen Interessen, Bedürfnisse und Empfindungen nicht berücksichtigt oder abwertet und ihnen nur sehr geringe Reaktionsalternativen bietet.

Bei diesem Phänomen, in der noch jungen Forschung «Adultismus» genannt, handelt es sich um die erste Form der Diskriminierung, die ein Mensch in seinem Leben erlebt und auf die alle anderen Arten von Diskriminierung aufbauen. Kinder lernen von Anfang an – und zwar von Menschen, die sie lieben – dass Unterdrückung völlig normal und in Ordnung ist. Weiteren Diskriminierungsarten – wie zum Beispiel dem Rassismus – werden Tür und Tor geöffnet, denn wir haben unseren Kindern ja von Klein auf beigebracht, dass solche Machtgefälle völlig normal sind…

Adultismus findet so unbemerkt und fast überall statt, dass man von frühester Jugend daran gewöhnt ist und die dazu gehörigen Bewertungen für völlig selbstverständlich hält. Als junger Mensch verinnerlicht man diese Bewertungen und ist schliesslich selbst davon überzeugt, dass Erwachsene alles besser wissen und daher alles bestimmen sollten.

Was geschieht nun, wenn ein junger Mensch verinnerlicht hat, dass er aufgrund seines Alters einfach unzureichend ist?

Ganz einfach, aber ziemlich tragisch: Der junge Mensch vertraut seiner eigenen Wahrnehmung und Meinung nicht mehr, nimmt sich selbst nicht ernst und resigniert. Er ist ja daran gewöhnt, als weniger wertvoll, vertrauenswürdig und eben noch nicht erwachsen angesehen zu werden.

Wir als Eltern, Gesellschaft und auch die Schulen, müssen unser Konzept von Erziehung gründlich überdenken und verändern. Schon Jesper Juul, weltbekannter Kinderpsychologe, sträubte sich immer gegen das Wort «Erziehung». Was bedeutet das Wort überhaupt? Wohin sollen Kinder gezogen werden? Muss man sie überhaupt irgendwo hinziehen?

Es geht nicht darum, jegliche erzieherischen Handlung zu verurteilen. Vielleicht wäre uns aber schon geholfen, wenn wir «Erziehung» im Sinne von «Begleitung» verstehen würden und nicht als grundlegende und Macht missbrauchende Kommunikations- und Umgangsstörung, wie wir sie oft erleben? Wie ungemein wertschätzend wäre es, wenn Gesellschaft und Schulen Kinder und Jugendliche nicht als Mängelwesen betrachten würden, wie es so oft geschieht?

Vielleicht sollten wir einfach genauer hinschauen. Was ist der tieferliegende Grund von «null Bock»? Was steckt hinter Passivität, Rebellion und selbstzerstörerischem Verhalten? Möglicherweise handelt es sich vielmehr um Resignation oder eine Bewältigungs- und Überlebensstrategie, die man als «minderwertiges» Wesen aus lauter Not entwickelt hat.

Äusserungen wie «Sie verstehen mich sowieso nicht» oder «Ich sage lieber nicht, was ich denke» zeigen, dass sich jemand als weniger wertvoll und nicht ernst genommen fühlt. Wie soll ein junger Mensch in diesen Strukturen die heute so viel beschworene «Selbstwirksamkeit» auch nur im Ansatz erlernen?

Mein dringender Appell an junge Menschen:

Lasst euch nicht verunsichern, wenn andere euch aufgrund eures jungen Alters nicht ernst nehmen – selbst wenn das in der eigenen Familie passiert!

Der Rat eines älteren Menschen ist nicht automatisch richtig noch bringt er dich automatisch weiter, nur weil er älter ist als du. Es haben auch nicht alle älteren Menschen einen reichen Erfahrungsschatz, nur weil sie schon länger leben:

Eventuell haben sie ihr Leben lang in ihrer Komfortzone verbracht, sind jedem Risiko aus dem Weg gegangen, sehen das Leben durch ihre kleine, enge Brille und haben eigentlich nicht sehr viele Erfahrungen gemacht.

Wie sollten sie deine Situation beurteilen können und dich weiterbringen?

Meine Empfehlung: Lasse dich nicht begrenzen und bremsen – höre auf dein Herz, denn besonders den Jungen steht die Welt offen.

Träume so gross und bunt, wie du kannst!
Dafür ist es niemals zu früh!

Petra Sewing-Mestre Frauenakademie-Luzern, Praxis an der Hirschmattstrasse 11 Luzern, Image Bilder von Margherita Delussu Fotografie
Petra Sewing-Mestre

Petra Sewing-Mestre
Expertin für mentales Wachstum
und Kommunikationstraining
speziell für Mädchen und Frauen

FRAUENAKADEMIE LUZERN
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