Weniger Chaos, mehr System: Mit GTM 2026 neu denken
Autorin: Romina Buchle
Sechs Teams mit je sechs sich unbekannten Personen, sechs Augenbinden, limitierte Mittel, ein Instruktor mit zwei klaren Zielen und zwei Einschränkungen, 20 Minuten Zeit. Das war die Ausgangslage vor einem Workshop. Die Aufgabe: blind eine Brücke aus Papier bauen.
Was denkst du – wie oft wurden die Ziele erreicht?
In 5 von 6 Fällen.
Der Grund liegt meiner Ansicht nach beim Fokus. Kein Schnickschnack, keine grosse Wahl, einfach ein klares Ziel. Eines, das man auch blind erreichen kann.
Das Problem: Zu viele Ziele, zu wenig Fokus
Seien wir mal ehrlich – viele Unternehmen haben zwar ihre Augen offen, doch es fehlt an Fokus und Klarheit. Man hat nicht nur ein oder zwei, sondern x-Ziele und oftmals nochmals das Fünffache an Ideen.
Das ist der Grund, warum ich KI, neue Tools und neue Taktiken immer spannend finde – aber am Ende des Tages nicht ins Zentrum stelle. Denn um Ziele zu erreichen und zu wachsen, muss meist nicht mehr gemacht werden. Es geht darum, das Richtige richtig gut zu machen.
Je grösser das Team und je breiter die verschiedenen Rollen werden, desto mehr Reibung gibt es meist bei der Erreichung der Ziele. „Gärtlidenken“, unklare Zuständigkeiten und schlechte Entscheidungsgrundlagen führen oft nicht nur zu Ineffizienz, sondern auch zu Frust. Genau hier, aber auch bei Einzelfirmen kann mit GTM angesetzt werden. Denn wenn du alleine für deine Firma tätig bist, wirst du viele verschiedene Hüte tragen und Prioritäten genau abwägen müssen. Zudem ist Effizienz noch wichtiger, da du deine wichtigste Ressource bist.
Was GTM ist & wie das Konzept helfen kann
GTM steht für Go-To-Market – und ja, viele kennen das Konzept nur aus dem Start-Up Kontext. Beim Launch eines neuen Produktes wird GTM gross geschrieben, gerät danach aber oft in Vergessenheit. Das ist ein Fehler.
Was ist GTM konkret? Go-To-Market ist dein strategisches Framework dafür, wie du ein neues Angebot, eine neue Zielgruppe oder eine Veränderung in deinem Business strukturiert und fortlaufend angehst. Es beantwortet drei zentrale Fragen:
- Wer ist deine Zielgruppe, deine Wunschkundin?
- Was bietest du ihr an – und warum sie und nicht alle?
- Wie erreichst du sie, gewinnst sie und hältst sie?
GTM ist nicht einfach nur „Marketing“. Es verbindet deine Strategie (wer, was, warum), deine Prozesse (wie du es machst) und deine Kommunikation (wie du darüber sprichst) zu einem einfachen Plan. Zudem verhilft das Framework dir intern zu mehr Klarheit und einem gemeinsamen Fokus.
Kurz gesagt: GTM kann für dich als Selbstständige bei jedem Veränderungsprozess helfen. Egal, ob duein neues Angebot, eine neue Zielgruppe, eine neue Positionierung ausarbeitest.
Das Ziel? Weg vom Chaos, hin zu strukturierter Arbeit mit klarem Fokus. Statt wild verschiedene Tätigkeiten zu kombinieren, schaffst du ein System, das funktioniert – auch wenn du alleine bist oder nur ein kleines Team hast.
GTM hilft dir dabei, dass deine Positionierung, Vermarktung und Kundenbeziehung Hand in Hand arbeiten. Das Ergebnis: mehr Klarheit, weniger Streuverluste, bessere Ergebnisse.
Das MOVE-Framework für deine Klarheit
Um GTM konkret zu machen, arbeite ich mit dem MOVE-Framework von Sangram Vajre (welches ich hier in mehr Detail beschrieben habe). Es beantwortet vier einfache Fragen, die du dir immer wieder stellen solltest:
- Market: Wem sollen wir etwas verkaufen?
Ziel: so wenig Streuverluste wie möglich. Statt alle anzusprechen, konzentrierst du dich auf
deine ideale Zielgruppe. - Operations: Was benötigen wir, um effektiv zu funktionieren?
Hier wird es konkret. Welche Prozesse brauchst du? Welche Tools? Wer macht was – und bei dir als Selbstständige: Welche Aufgaben kannst du delegieren oder automatisieren? - Velocity: Wann können wir skalieren?
Nicht alles auf einmal. Welche Prioritäten machst du in welcher Reihenfolge? - Expansion: Wo liegt das grösste Wachstumspotenzial?
Wohin solltest du als nächstes gehen, wenn die aktuellen Schritte funktionieren?
Diese vier Fragen helfen dir, deine Rolle als Unternehmerin zu organisieren – egal ob Solo-Selbstständige oder mit kleinem Team.
Warum GTM auch für ein One-Woman-Business wichtig ist
Vielleicht denkst du: „Romina, ich bin alleine. Ich brauche da kein grosses Framework.“ Das verstehe ich. Aber es ist genau umgekehrt!
Je weniger Menschen dich unterstützen, desto wichtiger ist Klarheit und Organisation.
Mit GTM vermeidest du:
- Das Gefühl, alles gleichzeitig zu tun und nichts richtig zu machen
- Streuverluste bei Marketing und Kundenakquise
- Burnout durch fehlende Prioritäten
- Vertane Chancen weil dein System nicht funktioniert
Mit GTM baust du ein System, das skaliert – ohne dass du selbst zur Grenze gehst.
Tipps für dein Unternehmen im 2026
Starte damit, diese vier Fragen zu beantworten:
- Market: Wer ist meine ideale Kundin konkret?
- Operations: Welche Prozesse brauche ich, um diese Kundinnen zu erreichen – und welche kann ich automatisieren?
- Velocity: Was ist meine Priorität für die nächsten 90 Tage?
- Expansion: Wohin kann ich danach gehen?
Nimm dir ein bis zwei Stunden Zeit, um die Theorie in Praxis umzusetzen.
Beantworte diese Fragen ehrlich – und siehe, wie sich dein Fokus schärft.
Danach ist ganz wichtig zu wissen: GTM ist kein Prozess, den du einmal machst und dann abhaken kannst. Es ist ein kontinuierlicher Prozess. Alle 90 Tage kannst du die Fragen wieder stellen. Und jedes Mal wirst du klarer werden – über dein Business, deine Ziele und deine Rolle darin.
Jetzt ist der Moment, um weniger Chaos und mehr System in dein Business zu bringen.
Wieso ich davon überzeugt bin?
Die Brücke aus Papier wurde gebaut – weil es klare Ziele gab. Das geht für dein Business auch.
Die Zutaten sind dieselben: Fokus, System und Klarheit.
Und: Natürlich kann man schönere Brücken bauen. Manchmal reicht es aber einfach auch mal zu starten. Meiner Meinung nach definitiv besser, als in Schönheit zu sterben.

Buchle Marketing Orchestration
Romina Buchle
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