Nachhaltig denken heisst nicht nur ökologisch handeln
Wahre Nachhaltigkeit ist mehr als Ökologie. Wie du dein Business mit Strategie, Klarheit und gezielten Schritten zukunftsfähig aufstellst.
Autorin: Sandra Jauslin
Kürzlich hat mich eine gute Kollegin angerufen und gesagt: «Ich muss euch einfach mal vernetzen. Ihr arbeitet an ähnlichen Themen. Vielleicht ergibt sich etwas. Vielleicht auch nicht.» Genau solche Momente zeigen mir, was Synergien im Kern bedeuten. Auch wenn der eigene Mehrwert nicht sofort im Vordergrund steht, kann eine Verbindung Bewegung für das grössere Ganze aus-lösen.
Diese Kollegin hat genau das getan, was Synergien möglich macht. Sie hat nicht zuerst nach dem eigenen Nutzen gefragt, sondern eine Verbindung gesehen und angestossen.
Darin erkenne ich auch meine eigene Art zu arbeiten. Manchmal sehe ich Verbindungen, bevor andere sie sehen. In einem Gespräch, bei einem Kaffee, in einem Workshop oder in einer alltäglichen Situation. Da erzählt jemand von einer Herausforderung. Eine andere Person hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. Eine dritte bringt Wissen mit, das genau passen würde. Und plötzlich entsteht etwas Neues.
Für UnternehmerInnen und Führungspersonen ist genau das entscheidend. Viele Lösungen sind bereits im eigenen Umfeld vorhanden, werden aber nicht erkannt, nicht geteilt oder nicht miteinander verbunden.
Was bewegt dich? Was bringst du mit? Was brauchst du? Und was könnte entstehen, wenn wir Wissen, Erfahrung und Ideen verbinden?
Wer dieses Potenzial nutzt, gewinnt mehr als gute Gespräche. Es entstehen bessere Entscheidungen, neue Ideen, stärkere Zusammenarbeit und mehr Bewegung im Unternehmen.
In vielen Organisationen liegt enormes Wissen brach, weil es nicht sichtbar ist. Menschen teilen ihre Gedanken nicht, weil der passende Rahmen fehlt. Hierarchien, Abteilungen oder Branchen sind zu stark voneinander getrennt. Oder alte Bilder im Kopf verhindern, dass wir offen aufeinander zugehen.
Da ist die junge Mitarbeiterin mit einer frischen Idee, die nie gefragt wird.
Da ist der erfahrene Fachexperte, dessen Wissen bald mit ihm in Pension geht.
Da ist die Führungskraft, die vieles entscheiden muss, aber zu wenig ehrliche Rückmeldung erhält.
Da ist die Unternehmerin, die alles allein stemmen will, obwohl neben ihr Menschen stehen, die gerne mitdenken würden.
Für mich beginnt genau hier die bewusste Gestaltung von Synergien.
Erst wenn Menschen einander vertrauen, offen sprechen und Wissen teilen, entsteht echter Mehrwert. Dafür braucht es Neugier und Räume, in denen Menschen ohne Bewertung, Konkurrenzdenken oder Angst sprechen können.
Denn ja, es gibt sie, die Blockaden.
Silodenken, Neid, Machtspiele, Vorurteile und Gewohnheit bremsen diesen Austausch. Wir blei-ben in unseren Kreisen, holen die gleichen Meinungen ein und wundern uns, warum keine neuen Lösungen entstehen.
Dabei liegt die Lösung oft bereits im System. Nur an einem anderen Ort.
Ich gehe gerne offen und unvoreingenommen auf Menschen zu. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass aus echten Begegnungen oft die besten Ideen entstehen. Manchmal braucht es nur eine Frage, eine Verbindung oder einen Perspektivenwechsel.
Was wäre, wenn du eine Person aus einer anderen Generation fragst, wie sie auf dein Thema schaut?
Was wäre, wenn du jemanden aus einer anderen Branche einlädst, deine Herausforderung mitzudenken?
Was wäre, wenn du nicht zuerst fragst: «Was bringt mir das?», sondern: «Was können wir gemeinsam möglich machen?»
Die Methode hilft, Blockaden zu lösen, neue Verbindungen zu schaffen und aus unterschiedlichem Wissen echten Mehrwert entstehen zu lassen.
Reverse Mentoring bringt Menschen zusammen, die sich im normalen Arbeitsalltag oft nicht auf Augenhöhe begegnen. Jüngere und erfahrenere Mitarbeitende. Führungskräfte und Nachwuchstalente. Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, Branchen oder Lebensphasen. Im Zentrum steht nicht, dass die einen alles wissen und die anderen lernen müssen. Im Zentrum steht das gegenseitige Lernen.
Die einen bringen digitale Selbstverständlichkeit, neue Sichtweisen, andere Werte und aktuelle Lebensrealitäten ein. Die anderen bringen Erfahrung, Einordnung, Führungswissen und ein tiefes Verständnis für Zusammenhänge mit. Wenn beide Seiten offen sind, entsteht mehr als Wissens-transfer. Es entstehen Beziehung, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit.
So entsteht aus Unterschiedlichkeit Bewegung.
Unterschiedlichkeit wird dann produktiv, wenn sie als Ressource erkannt wird. Genau daraus entstehen Lösungen, die eine einzelne Perspektive allein oft nicht hervorbringen kann.
Das klingt einfach. Ist es aber nicht immer.
Es braucht Mut, Wissen zu teilen. Es braucht Grosszügigkeit, andere sichtbar zu machen. Es braucht auch die Bereitschaft, eigene Annahmen zu hinterfragen. Vielleicht ist die Person, die du unterschätzt hast, genau diejenige, die den entscheidenden Gedanken einbringt. Vielleicht ist die Abteilung, über die du dich ärgerst, nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung. Vielleicht steckt hinter Widerstand nicht Ablehnung, sondern ein wichtiges Signal.
Ich muss nicht alles allein wissen.
Ich muss nicht alles allein können.
Ich muss nicht gegen andere gewinnen, um erfolgreich zu sein.
Business wird stärker, wenn Menschen ihr Wissen teilen, statt es zu schützen. Wenn Organisationen Dialoge ermöglichen, statt Grenzen zu verstärken. Wenn Führung nicht nur entscheidet, sondern zuhört. Für UnternehmerInnen ist das kein weicher Faktor, sondern ein konkreter Hebel für bessere Entscheidungen, Innovation und Bindung.
Vielleicht ist heute ein guter Moment, dich zu fragen:
Wo liegt in deinem Umfeld Wissen brach?
Welche Menschen sollten längst miteinander sprechen?
Welche Idee wartet darauf, verbunden zu werden?
Und welche Synergie könntest du selbst anstossen?
Manchmal beginnt Zukunft nicht mit einem grossen Strategiepapier, sondern mit einem offenen Gespräch.
Lege noch heute los. Viel Freude wünsche ich dir dabei.
Deine Sandra

Sandra Jauslin liebt es, Menschen, Ideen und Perspektiven miteinander zu verbinden. Nach verantwortungsvollen Funktionen in verschiedenen Branchen wagte sie den Sprung vom Einkaufsbusiness in die Organisationsentwicklung und nutzt die daraus entstandenen Synergien bis heute.
Reverse Mentoring war Anlass zur Gründung der nehmenswerk.ch. Als ehemalige Co-Präsidentin von Business & Professional Women (BPW) Switzerland, Autorin, Verwaltungsrätin und Consultant bei bcp.ch begleitet sie Organisationen in Veränderungsprozessen und fördert ein stärkeres Mit- statt Gegeneinander. Als Board Member der HealthEXPO trägt sie dazu bei, dass Menschen physisch und psychisch gesund bleiben.
BCP Business Consulting Partner AG
Sandra Jauslin
Webseite: bcp.ch
Email: sandra.jauslin@bcp.ch
Telefon: +41 78 899 27 96
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