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Von Daten zu Taten: Natur als Unternehmenschance

Veröffentlicht am 31. August 2026

Autorin: Barbara Dubach

Warum die Natur deine wichtigste Geschäftspartnerin ist – und wie du Chancen ergreifst

Der heisse Sommer dieses Jahres zeigt uns unmissverständlich: Die Klimakrise und die Zerstörung unserer Ökosysteme sind eng miteinander verknüpft. Extreme Hitzewellen, Trockenheit und Wasserknappheit treffen nicht nur die Natur, sondern wirken sich direkt auf globale Wertschöpfungsketten, Energieversorgung und Ernteerträge aus.

Über 55% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts – rund 58 Billionen US-Dollar – hängen direkt oder indirekt von funktionierenden Ökosystemdienstleistungen ab [1]. Ein Beispiel für diese systemischen Verflechtungen: Rund 97% der Entwaldungsaktivitäten im Regenwald sind auf die Umwandlung von Waldflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen und Viehweiden zurückzuführen [2].

Wenn wir Wälder roden, zerstören wir natürliche Kohlenstoffspeicher, bringen den weltweiten Wasserkreislauf durcheinander und beschleunigen globale Hitzewellen – die dann wiederum bei uns zu Landwirtschaftsausfällen und betrieblichen Risiken führen.

Die Natur ist keine Nachhaltigkeitsfloskel, sondern die grundlegende Infrastruktur unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Ein kürzlich publiziertes Paper von Innovate 4 Nature (I4N) und PwC Schweiz [3] zeigt eindrücklich: Es reicht nicht, Risiken zu analysieren und Daten offenzulegen. Wer jetzt handelt, schützt nicht nur die Umwelt, sondern sichert sich entscheidende Wettbewerbsvorteile.

Vom Berichtswesen zur echten Wertschöpfung

Die Ergebnisse aus diesem Paper zeigen deutlich: Viele Unternehmen haben das Thema Biodiversität zwar auf dem Radar – 60% der Top-100-Schweizer Unternehmen stufen Natur bereits als wesentlich für ihr Geschäft ein – doch bei der Umsetzung klafft eine erhebliche Lücke:

  • 77% der Unternehmen erfassen zwar naturbezogene Kennzahlen.
  • Aber nur 27% haben die Natur fest in ihre Unternehmensstrategie integriert.
  • Gar nur 9% der Verwaltungsräte tragen eine explizite Verantwortung für Naturthemen.

Mit anderen Worten: Wir messen und berichten viel, wir handeln wenig und die Governance-Verantwortung fehlt. Das Erkennen von Risiken ist wichtig, doch die wahre Transformation beginnt dort, wo wir Naturrisiken in neue Geschäftsmodelle und Innovationen übersetzen.

Ein Blick über den Tellerrand: Schweiz und Lateinamerika im Vergleich

Spannend ist der direkte Vergleich unserer Studien in der Schweiz und Lateinamerika, insbesondere Costa Rica [4]:

  • Lieferkette vs. eigene Betriebe: Während Schweizer Grosskonzerne ihre grössten Naturrisiken zu 80,5% in den vorgelagerten Lieferketten identifizieren, sehen lateinamerikanische KMU die Herausforderungen zu 55,6% in ihren eigenen Betrieben.
  • Gemeinsamer Nenner Wasser: In beiden Regionen ist Wasser das zentrale Thema – sei es bei Risiken, Auswirkungen oder dem Wunsch nach innovativen Co-Kreationen.
  • Hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit: Über 70% der befragten Unternehmen sind offen für Partnerschaften und Start-up-Innovationen.

Konkrete Lösungen für Schlüsselbranchen

Die gute Nachricht ist: Lösungen sind vorhanden und einsatzbereit! Innovate 4 Nature hat ein globales Portfolio von qualitativ hochstehenden, naturpositiven und marktreifen Startups und Innovationen identifiziert:

  1. Agrar- und Lebensmittelbereich: Regenerative Landwirtschaft und biologischer Pflanzenschutz (wie Unibaio oder Courageous Land) schützen Böden und reduzieren Chemikalien drastisch, und nachhaltige Logistiklösungen (z.B. NetZero Pallet) optimieren den Transport.
  2. Bau & Immobilienbranche: Da 97% des ökologischen Fußabdrucks in diesem Sektor durch Baumaterialien entstehen, bieten biobasierte Baustoffe (z.B. Mycostrat oder ParaStruct) sowie blau-grüne Infrastrukturen (z.B. FieldFactors) riesige Hebel.
  3. Energie: Innovationen wie eDNA-basiertes Biodiversitäts-Monitoring (z.B. SimplexDNA) oder renaturierte Wassereinzugsgebiete stellen sicher, dass die Energiewende nicht auf Kosten lokaler Ökosysteme geht.

Für Schweizer Unternehmen heisst das konkret: Naturbezogenen Risiken und Chancen gehören auf die Traktandenliste des Verwaltungsrates, nicht nur in die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Wasserabhängigkeiten und Lieferkettenrisiken verdienen dieselbe Sorgfalt wie Währungs- oder Zinsrisken.

Deine 4 Wege, um jetzt aktiv zu werden

Egal, wo du auf deiner Reise stehst – es gibt konkrete Möglichkeiten, von Daten zu Taten zu kommen:

  1. Nature Accelerator: Integriere naturpositive Strategien direkt in dein Kerngeschäft.
  2. Regionale Hubs: Werde Partner lokaler Initiativen mit Innovate 4 Nature in der Schweiz oder unseren regionalen Hubs in Costa Rica mit FUNDES oder in Dubai mit Goumbook.
  3. Action Labs: Schliesse dich branchenübergreifenden Kollaborationen an, um gemeinsame Herausforderungen (z.B. Regenerativer Kaffee oder Amazonien-Ökosysteme) zu lösen.
  4. Netzwerk und Veranstaltungen: Nutze Plattformen wie den Nature Lunch während dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, um dich mit Pionieren zu vernetzen oder dich selbst als Pionier zu positionieren.

Fazit: Wer zuerst handelt, gewinnt

Unternehmen, die naturpositive Lösungen frühzeitig verankern, senken Betriebskosten, sind resilienter, und sichern sich Zugang zu Kapital, Talent und neuen Märkten bevor teure Anpassungskosten entstehen. Lass uns gemeinsam von der Kennzahl zur Tat schreiten!


Über die Autorin

Dr. Barbara Dubach ist Ko-Initiatorin und Geschäftsführerin von Innovate 4 Nature (I4N) sowie Gründerin und Geschäftsführerin von engageability – einem Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit und Stakeholder Engagement.

Seit über 30 Jahren engagiert sie sich an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Innovation und Wirtschaft, u.a. bei Holcim, beim World Business Council for Sustainable Development sowie als Umweltökonomin beim Bundesamt für Umwelt. Zudem ist sie Vorstandsmitglied bei ESG4Boards und swisscleantech.

Innovate 4 Nature & engageability
Dr. Barbara Dubach

Webseite: i4n.ch / engageability.ch
Email: barbara.dubach@i4n.ch
Telefon: +41 79 322 83 43

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Referenzen & Quellenhinweise:

[1] World Economic Forum (WEF): «Nature Risk Rising» (2020) (WEF Report) & PwC: «Managing Nature Risks» (2023) (PwC Report).
[2] World Resources Institute (WRI) Global Forest Review: «Deforestation Linked to Agriculture» (WRI Report) & MapBiomas Report.
[3] PwC Schweiz & Innovate 4 Nature (I4N): Whitepaper «Nature Positive: From Resilience to Value Creation» (2025/2026), abrufbar unter: www.i4n.ch.
[4] engageability: «Nature Reporting in Switzerland – TNFD Study 2025» (Top-100 Schweizer Unternehmen), abrufbar unter: engageability TNFD Study.
[5] I4N & FUNDES: Vergleichsstudie Schweiz (n=41) vs. Lateinamerika / Costa Rica (n=27). (Veröffentlichung vorgesehen Ende September)
[6] WBCSD & World Economic Forum (WEF): «Roadmaps to Nature Positive».

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