Innovative Kreativität – oder umgekehrt?
Entfalte deine Kreativität und nutze deine Vielseitigkeit, um innovative Lösungen für dein Business und deine Herzensprojekte zu schaffen!
Autorin: Katja Maurer
Fehler passieren! Fehler sind menschlich! Wer nichts macht, macht auch keine Fehler!
Wir alle kennen diese Sätze nur zu gut.
Dennoch: Niemand macht gern Fehler!
Egal wie gross und schwerwiegend, es fühlt sich nicht gut an, wenn wir mit einem Fehler konfrontiert werden. Nicht, wenn wir ihn selbst verursacht haben und auch nicht, wenn er in unserem Team passiert, für das wir die Verantwortung tragen.
Wir sind in einem System aufgewachsen, in dem Fehler rot angestrichen wurden. Wo «gut» gleichbedeutend war mit «fehlerfrei». Eine Schulwelt, in der es Punkte für richtige Antworten gab, aber kaum Raum für kreative Umwege, Irrtümer oder individuelle Lösungswege. Fehler werden selten hinterfragt oder als normaler Teil des Lernens betrachtet. Es gibt eine klare Trennung zwischen «richtig» und «falsch».
Unsere Haltung zu Fehlern ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis unserer Prägung, durch Familie, Bildungssystem und gesellschaftliche Normen. Schon in der Kindheit lernen viele: Ein Fehler ist etwas, das vermieden werden sollte. Wer «gut» ist, macht keine. Wer Fehler macht, muss sich anstrengen, verbessern, stillsitzen, mehr üben.
Oft ist die Reaktion auf Fehler nicht neutral, sondern mit Scham oder Kritik verbunden. Die Botschaft dahinter: Fehler sind unerwünscht.
Richtig oder Falsch – Schwarz oder Weiss – Hopp oder Top. Fehler = schlecht.
Das hat uns geprägt und es begleitet uns auch im Berufsleben. Unsere Erfahrungen wirken weiter, in der Ausbildung, im Studium, im Beruf.
Und heute sitzen wir in Teams, die genauso funktionieren. In Meetingräumen, in denen niemand den ersten Schritt wagt. In Abteilungen, in denen Verantwortung lieber weitergereicht als übernommen wird. In Unternehmen, in denen Fehlerberichte so selten sind wie echtes Feedback.
Kein Raum für Experimente.
Kein Raum für Scheitern.
Kein Raum für Innovation.
Studien zufolge haben circa 50% der Mitarbeitenden Angst vor Sanktionen. Angst vor persönlichen Konsequenzen, wenn sie einen Fehler zugeben. «Vielleicht bekomme ich eine Abmahnung.» oder «Muss ich um meinen Job fürchten?».
Diese Angst führt zu einem typischen, nachvollziehbaren Verhalten: Fehler werden lieber verschwiegen, vertuscht oder beschönigt. Nicht aus Boshaftigkeit oder mangelndem Verantwortungsbewusstsein – sondern aus einem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit.
Befürchten unsere Mitarbeitenden negative Konsequenzen, Sanktionen und Vorwürfe? Dann können wir lange darauf warten, dass wir, als Führungskraft, frühzeitig Kenntnis erhalten, wenn ein Fehler passiert ist.
Ein verständliches, menschliches Verhalten! Wer möchte schon öffentlich an den Pranger gestellt werden. Der Preis scheint zu hoch, der Nutzen zu gering. So werden Informationen, die eigentlich sehr wertvoll wären lieber unter den Teppich gekehrt.
Chancen gemeinsam besser zu werden und zu wachsen. Das hat Konsequenzen, nicht nur für die Einzelperson, sondern für das ganze Unternehmen. Denn wenn Fehler nicht sichtbar werden, können sie auch nicht systematisch analysiert und behoben werden. Probleme ziehen sich länger hin, werden teuer oder wiederholen sich. Vielleicht hast du schon einmal von der «Rule of 10» gehört. Diese Regel aus dem Qualitätsmanagement besagt, dass je später ein Fehler z.B. in einem Produktionsprozess entdeckt wird, desto teurer wird er und zwar um den Faktor 10 mit jedem weiteren Arbeitsschritt!
Ein Fehler wird also nicht nur teurer und nimmt ein grösseres Ausmass an. Es bleiben auch wichtige Impulse für Veränderungen und Verbesserungen aus. Der Blick für Ursachen und Zusammenhänge geht verloren. Prozesse werden nicht hinterfragt. Blinde Flecken bleiben unentdeckt.
Wenn du glaubst, die meisten Fehler im Arbeitsumfeld seien auf menschliches Versagen zurückzuführen, dann muss ich dich enttäuschen. Das ist nicht so! Die Mehrheit aller Fehler sind prozess- bzw. systembedingt. Sie sind kein Ergebnis von Unachtsamkeit oder mangelndem Können einzelner Personen. Oberflächlich betrachtet mag das vielleicht so aussehen. Der Mitarbeitende hat nicht genau kontrolliert. Die Kollegin hat einen Schritt vergessen… Wenn wir aber tiefergraben und die tatsächliche Ursache herausfinden, stellen wir oft fest, dass es eben nicht an den Mitarbeitenden liegt, sondern an:
Das Gute ist, dass wir unsere Prozesse gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden optimieren können und das nachhaltig. So stellen wir sicher, dass der gleiche Fehler nicht mehrmals auftritt. Wir wollen doch kein «tägliches grüsst das Murmeltier»-Gefühl.
Damit wir unsere Abläufe und Prozesse verbessern können, müssen wir die Chance dazu haben und das bedeutet: Wir sprechen im Team über unsere Fehler.
Wie schaffen wir es nun als Führungskräfte, dass unsere Mitarbeitenden sich trauen offen über Fehler und Probleme zu berichten?
Mitarbeitende müssen sich sicher genug fühlen, offen zu sprechen, Fehler zuzugeben und Ideen einzubringen. Ist dies gegeben, sprechen wir auch von psychologischer Sicherheit. Das Konzept der psychologischen Sicherheit wurde von Amy Edmondson geprägt. Psychologisch sichere Mitarbeitende können sich frei äussern, ohne Angst vor Blossstellung oder Sanktionen.
Psychologische Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt einer positiven Fehlerkultur in einem Unternehmen. Wenn Kultur grundsätzlich beschreibt, wie Menschen miteinander umgehen und wie das Zusammenleben geregelt ist, dann bezieht sich Fehlerkultur auf den Umgang mit Fehlern – sowohl auf individueller Ebene als auch im Unternehmen als Ganzes.
Jedes Unternehmen hat eine Fehlerkultur, auch wenn sie nicht immer offen oder positiv ist. Doch die gute Nachricht ist: Du kannst als Führungskraft aktiv daran arbeiten, eine offene und lernorientierte Fehlerkultur zu etablieren.
Der positive Umgang mit Fehlern bedeutet keineswegs leichtfertig Fehler zu machen oder sie als besonders wünschenswert anzusehen. Vielmehr geht es darum, Fehler als normale Bestandteile des Arbeitsalltags zu akzeptieren und sie als Chance für Verbesserung zu nutzen.
Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zwischen unabsichtlichen Fehlern, die trotz bester Bemühungen passieren, und vorsätzlichem Fehlverhalten wie Sabotage – letzteres hat keinen Platz in einer positiven Fehlerkultur.
Wenn wir nicht über Fehler sprechen, können sie sich unbemerkt ausbreiten und langfristig grössere Schäden verursachen. Der «unter den Teppich gekehrte» Fehler, der irgendwann dann doch zutage tritt und erheblichen Aufwand sowie Kosten verursacht. Eine positive Fehlerkultur ermöglicht es hingegen, Probleme frühzeitig zu erkennen und gezielt Gegenmassnahmen zu ergreifen, da wir im Team offen sprechen können.
Und die gute Nachricht: Wir können dies als Führungskräfte aktiv fördern.
Deine Mitarbeitenden werden nur dann offen über Fehler sprechen, wenn du es vorlebst. Sprich im nächsten Teammeeting über deine eigenen Fehler: Was ist schiefgelaufen? Wie hast du dich dabei gefühlt? Und vor allem: Was hast du daraus gelernt?
Indem du deine Erfahrungen teilst, schaffst du eine Atmosphäre, in der sich Mitarbeitende sicher fühlen, über ihre eigenen Fehler zu sprechen. Auch, wenn der Start schwerfällt, daran führt kein Weg vorbei. Wir dürfen uns verletzlich zeigen!
Mache Fehler zum Thema.
Tipp: Führe in deinen Meetings einen festen Punkt zur Fehlerbesprechung ein. Frage deine Mitarbeitenden: Was lief letzte Woche nicht wie geplant? Was können wir daraus lernen?
Wenn Mitarbeitende Angst vor Konsequenzen haben, werden sie Fehler nicht offen zugeben. Trenne deshalb Fehler von Sanktionen. Fehler sind keine «bösen» Ereignisse, sondern Lernchancen. Belohne Offenheit, anstatt Fehler zu bestrafen. Wenn ein Mitarbeitender dir offen einen Fehler meldet, solltest du das als Vertrauensbeweis sehen.
Tipp: Schaffe ein Umfeld, in dem Fehler nicht stigmatisiert, sondern als Möglichkeit zur Verbesserung wahrgenommen werden.
Häufig ist die erste Reaktion auf einen Fehler die Frage: «Wer war es?» Doch diese Frage bringt uns nicht weiter und schafft lediglich Schuldzuweisungen. Fehler entstehen oft durch eine Verkettung von Umständen und nicht durch die Schuld einer einzelnen Person. Statt nach einem Schuldigen zu suchen, konzentriere dich auf die Ursachenanalyse: Wie ist der Fehler passiert? Wo lag das Problem im Prozess? Was können wir zukünftig besser machen?
Tipp: Frage nach dem Warum und nicht nach dem Wer?
Wenn Mitarbeitende Angst vor Fehlern haben, werden sie auch kaum kreative oder innovative Vorschläge machen. Sie werden sich lieber an sichere, konventionelle Lösungen halten, um Kritik und Konsequenzen zu vermeiden. Innovativ zu sein, neue Produkte und Dienstleistungen zu kreieren ist ein Muss für jedes Unternehmen, um langfristig am Markt bestehen zu können.
Innovation und Fehlertoleranz sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne die Bereitschaft, Fehler zuzulassen und aus ihnen zu lernen, ist es nahezu unmöglich, wirklich bahnbrechende Ideen zu entwickeln.
Um Innovation zu fördern, müssen Unternehmen und Führungskräfte einen sicheren Raum schaffen, in dem Fehler erlaubt sind und Experimentieren ausdrücklich erwünscht ist. Dieser Raum sollte Mitarbeitenden die Freiheit geben, neue Ideen auszuprobieren, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Dies bedeutet nicht, dass Fehler ignoriert oder nicht analysiert werden sollten. Im Gegenteil: Es ist wichtig, aus Fehlern zu lernen und diese Erkenntnisse zu nutzen, um zukünftige Projekte erfolgreicher zu gestalten.
Überleg dir doch einmal, wo und wie du deinen Mitarbeitenden einen sicheren Raum bieten kannst, in dem Fehler erlaubt sind. Wo experimentieren ausdrücklich erwünscht ist. Ein Stück Freiraum für Kreativität. Aufgaben, bei denen wir auf eine klare Zielrichtung verzichten und nur den groben Rahmen, die Richtung vorgeben. Das bedeutet allerdings auch, dass wir als Vorgesetzte loslassen und nicht direkt eingreifen, wenn etwas anders läuft, als erwartet.
Tipp: Wenn du willst, dass deine Mitarbeitenden mutiger werden, neue Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen, dann gib ihnen Rückenwind. Ein Satz wie: «Probiere es aus. Ich bin da, wenn du mich brauchst.» öffnet Räume und reduziert die Angst vor dem Scheitern.
Fehler sind nicht das Ende der Welt. Sie sind vielmehr echte Gelegenheiten zur Verbesserung. Unternehmen sollten sich von einer Kultur der Schuldzuweisungen verabschieden und stattdessen eine Umgebung schaffen, in der Lernen und Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen.
Fehler gehören zum Alltag, ob wir wollen oder nicht. Entscheidend ist nicht, ob sie passieren, sondern wie wir mit ihnen umgehen.
Du als Führungskraft hast es in der Hand, den Unterschied zu machen:
Indem du den Mut hast, auch deine eigenen Fehler zu zeigen.
Indem du Vertrauen vor Kontrolle stellst.
Indem du den Raum öffnest statt verengst.
Denn wer sich sicher fühlt, traut sich was. Und wer sich was traut, bewegt was.

Dr. Katja Maurer hat Pharma-Produktionen geleitet, Schokoladenhersteller beraten, an einer unheilbaren Krankheit geforscht und ist für die besten Mangos um die halbe Welt gereist.
Fehler? Hat sie gesehen, gemacht, genutzt – und erlebt, wie daraus Stärke wächst. Mehr dazu im Interview mit Andy Wolf.
Heute begleitet sie als Prozess- und Fehler-Expertin Unternehmen dabei, Strukturen zu schaffen, die wirken und Fortschritt bringen, und unterstützt als Inhaberin der Unternehmensberatung Dr. Maurer GmbH Teams und Führungskräfte. Mit 20 Jahren Führungserfahrung bringt sie Klarheit, frische Energie und konkrete Lösungen. Und wenn sie nicht gerade Workshops leitet, Keynotes hält oder ihren Podcast aufnimmt, dann saust sie mit ihrer roten Vespa durchs Fricktal oder entwirft Schmuck.
Dr. Maurer GmbH
Katja Maurer
Webseite: katjamaurer.ch
Email: info@katjamaurer.ch
Telefon: +41 79 853 93 08
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