Sisterhood als Erfolgsfaktor - 5 Impulse für deinen Business Alltag  - womenbiz

Sisterhood als Erfolgsfaktor – 5 Impulse für deinen Business Alltag 

Veröffentlicht am 9. März 2026

Autorin: Nicole Hoefer-Wirwas

Wir reden viel über Female Empowerment. Über Selbstvertrauen. Über Präsenz. Und trotzdem stehen viele Frauen auf ihrem Karriereweg noch immer erstaunlich oft allein da.

In meinen Leadership Coachings begegne ich Frauen, die fachlich brillant sind, hoch engagiert, leistungsstark. Viele tragen den Anspruch in sich, alles aus eigener Kraft schaffen zu müssen. Doch Führung entsteht selten im Alleingang.

Uns wurde früh beigebracht, stark zu sein, durchzuhalten und zu funktionieren. Was uns kaum beigebracht wurde: uns strategisch zu vernetzen, Allianzen zu bilden, einander bewusst zu unterstützen. Sisterhood.

Netzwerke sind keine Männerdomäne

Männer nutzen sie häufig nur bewusster und strategischer.

Der Soziologe Ronald Burt zeigt in seiner Netzwerkforschung, dass Karrieren stark von informellen Beziehungen geprägt sind. Besonders wertvoll sind Kontakte zwischen unterschiedlichen Netzwerken, weil dort neue Informationen, Perspektiven und Chancen entstehen. Menschen bleiben im Austausch, empfehlen sich weiter und bauen über wiederholte Begegnungen Vertrauen auf.

Studien unter anderem von der Harvard Business School und der Stanford University zeigen zudem, dass Männer Männern oft automatisch höhere Leistung zutrauen. Nicht aus Absicht. Sondern weil sich Bilder über Jahrzehnte verfestigt haben. Ein Systemeffekt.

Gerade deshalb sind dort klare Kriterien und transparente Prozesse wichtig, wo über Chancen, Positionen und Verantwortung entschieden wird. Aber Kultur entsteht nicht allein durch Regeln. Sie entsteht durch das, was wir einander zutrauen und durch Netzwerke, die tragen.

Frauen vernetzen sich. Nur anders.

Viele Frauen haben starke, unterstützende Netzwerke. Sie teilen Wissen, geben Rat und stärken sich gegenseitig. Was häufig fehlt, ist der Zugang zu den Räumen, in denen über Budgets, Positionen und Sichtbarkeit entschieden wird. Dazu kommen alte Rollenmuster: nicht anecken, nicht dominieren, nicht zu viel Raum einnehmen.

Gerade in Organisationen mit wenigen Führungspositionen entsteht dadurch eher Konkurrenz als strategische Allianz. Konkurrenz wächst aus Knappheit. Wenn nur wenige Plätze sichtbar sind, fühlt es sich riskant an, andere gross zu machen. Und genau hier entscheidet sich, worum es bei Female Empowerment wirklich geht: nicht nur um individuelles Selbstbewusstsein, sondern um gemeinschaftliche Wirkung.

Sisterhood ist eine Haltung

Sisterhood heisst nicht, alles gut zu finden. Es heisst, eine Frau weiterzuempfehlen, auch wenn sie theoretisch Konkurrenz sein könnte. In Meetings Raum zu öffnen und Stimmen hörbar zu machen. Wissen, Kontakte und Erfahrungen aktiv zu teilen. Erfolge klar zu benennen, statt sie kleinzureden. Ehrliches Feedback zu geben. Unterstützung bedeutet nicht Harmonie um jeden Preis. Sie bedeutet Verantwortung füreinander. Und sie verlangt Haltung.

Im Coaching erlebe ich immer wieder, wie sehr Selbstbewusstsein wächst, wenn Frauen spüren: Ich bin nicht allein. Führung fühlt sich dann weniger nach Kampf an und mehr nach Gestaltung. Und es verändert etwas, wenn in einem wichtigen Meeting dein Name fällt. Ausgesprochen von einer anderen Frau, die sagt: «Sie kann das. Holt sie dazu.» Diese Momente sind wertvoll.

5 Impulse für mehr strategische Vernetzung

  1. Raus aus der Isolation.
    Warte nicht auf Einladungen. Schreib der Frau, deren Arbeit dich beeindruckt. Starte selbst einen kleinen Circle.
  2. Klein anfangen.
    Drei bis fünf Frauen, die sich regelmässig austauschen, reichen völlig. Qualität schlägt Quantität.
  3. Sichtbarkeit schaffen.
    Wenn jemand eine Strategin, Account Managerin oder Coachin sucht und dir fällt eine Frau ein, sag ihren Namen. Wer erwähnt wird, wird sichtbar. Und Sichtbarkeit verändert Karrieren.
  4. Über Geld und Karriere sprechen.
    Über Honorare. Über Verhandlungen. Über Fehler. Das schafft Klarheit, stärkt Selbstbewusstsein und macht Lernen möglich.
  5. Mentoring in beide Richtungen.
    Erfahrene Frauen begleiten jüngere. Und umgekehrt. Jede bringt Perspektive, Wissen und Kontakte mit.

Wenn wir uns gegenseitig stärken, verändern wir Strukturen. Netzwerke entscheiden oft über Aufträge und Positionen. Sisterhood ist strategisch und zutiefst menschlich.

Ganz konkret

Schreib heute einer Frau, deren Arbeit du schätzt. Lade zwei Kolleginnen zu einem offenen Austausch ein. Teile einen Kontakt, der nicht dir, sondern einer anderen den nächsten Schritt ermöglicht. Sprich offen über dein Honorar. Über deinen nächsten Karriereschritt. Über deinen Anspruch.

Sisterhood entsteht im Tun.

Aus genau diesem Gedanken heraus haben Nina Preuss und ich die Creative Residence ins Leben gerufen. Einen Raum, in dem Frauen sich gegenseitig inspirieren und gemeinsam strategisch wachsen. Einen Ort, an dem Ideen entstehen dürfen und Netzwerke ganz bewusst aufgebaut werden. Disziplinübergreifend. Und generationenverbindend.

Wenn wir anfangen, uns bewusst zu empfehlen, uns gegenseitig Bühnen zu bauen, Räume zu öffnen und Sichtbarkeit zu schaffen, verändert sich mehr als ein einzelner Lebenslauf. Dann verändert sich Kultur.

Also: Wem schreibst du heute?
Wen empfiehlst du als Nächstes?
Wo sagst du: Ich kenne da jemanden. Sie wäre grossartig dafür.

Sisterhood beginnt bei dir.


Über die Autorin:

Foto: Magnus Winter

Nicole Hoefer-Wirwas ist Gründerin von CoachingBLN und Co-Gründerin der Creative Residence. Als Creative Director und systemische Coachin begleitet sie Führungskräfte und Frauen im Leadership Coaching und Karriere Coaching.

Ihr Fokus liegt auf Persönlichkeitsentwicklung und Female Empowerment. Nicole ist Dozentin für Kreativität an der AD School Zürich, Mentorin und Speakerin.

CoachingBLN & Creative Residence
Nicole Hoefer-Wirwas

Webseite: CoachingBLN.de / Creative-Residence.de
Email: nicole@CoachingBLN.de

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