Die Geschichte, die mich nicht mehr losliess
Eine Idee, die zehn Jahre lang blieb, ein Schicksalsschlag, der alles veränderte und ein Herzensprojekt, das schliesslich Wirklichkeit wurde.
Autorin: Gabriele Thies
Du weisst eigentlich, was wichtig wäre – und machst es trotzdem nicht.
Es gibt diesen Moment, in dem du ziemlich genau spürst, was gerade dran wäre. Du findest es meist nicht auf deiner ToDo-Liste. Auch nicht als «ich sollte mal wieder…» in deinen Gedanken.
Das, was eigentlich gerade dran wäre, ist meist ein klares inneres Wissen. Und es ist meist sehr eindeutig, wenn du es zulässt.
Es ist diese eine Aufgabe, die dein Business wirklich weiterbringen würde. Der nächste Schritt, der längst überfällig ist. Das Thema, das du schon eine Weile vor dir herschiebst – und das irgendwie immer auf morgen wandert.
Und trotzdem machst du etwas anderes.
Du beantwortest noch schnell ein paar E-Mails. Kümmerst dich um Dinge, die sich sinnvoll anfühlen. Arbeitest etwas ab, das sichtbar erledigt ist. Am Ende des Tages hast du viel gemacht – aber dieses leise Gefühl bleibt: «Ich bin nicht wirklich vorangekommen.»
Vielleicht kennst du das. Vielleicht kennst du es sogar sehr gut.
Und genau hier beginnt das eigentliche Thema. Denn meistens fehlt dir nicht die Disziplin. Und auch nicht die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen.
Was fehlt, ist Klarheit.
Viele selbständige Frauen versuchen, ihr Prioritäten-Thema über Struktur zu lösen. Und diesen Weg bin ich selbst jahrelang gegangen: Bessere Planung. Mehr Überblick. Klare Listen.
Das ist verständlich – und bis zu einem gewissen Punkt auch hilfreich. Nur – selbst mit der besten ToDo-Liste kannst du am Falschen arbeiten.
Weil eine Liste dir nur zeigt, was wichtig sein könnte. Sie sorgt aber nicht dafür, dass du auch danach handelst.
Ich erlebe das immer wieder: Bei den Frauen, mit denen ich arbeite und ja – auch bei mir selbst auch.
Ich erinnere mich noch gut an eine Phase, in der meine Liste jeden Morgen länger wurde – und mein Gefühl, wirklich voranzukommen, immer kleiner. Ich hatte alles notiert, alles geordnet, alles priorisiert. Und trotzdem landete ich immer wieder bei den Aufgaben, die sich sicher anfühlten. Die schnell gingen. Die ich einfach erledigen konnte – ohne lange nachzudenken.
Was mir fehlte, war keine bessere Methode. Es war die ehrliche Antwort auf eine einzige Frage:
Was bringt mein Business gerade wirklich weiter – und was mache ich eigentlich nur, damit ich irgendwo einen Haken machen und so das Gefühl haben kann, ich wäre produktiv?
Diese Frage war unbequem. Und genau deshalb hatte ich sie oft umgangen.
Die Realität ist oft folgende: Die Liste ist da. Die Priorität steht oben. Und trotzdem greift man zu dem, was gerade näher liegt. Was schneller geht. Was sich leichter anfühlt. Oder was von aussen auf einen zukommt und sich plötzlich wichtig anfühlt, weil jemand anderes es gerade braucht.
Und plötzlich ist der Tag voll – aber nicht mit dem, was dich wirklich weiterbringt.
Hier liegt der entscheidende Unterschied: Prioritäten sind keine Entscheidung auf Papier. Sie sind eine Entscheidung in dir. Solange diese innere Entscheidung nicht wirklich getroffen ist, greift keine Methode der Welt zuverlässig.
Wenn du ehrlich bist, weisst du oft ziemlich genau, was wichtig wäre. Und gleichzeitig gibt es gute und sehr menschliche Gründe, es trotzdem nicht zu tun.
Du bist im Reagieren statt im Gestalten.
Als Selbständige bist du ständig in Kontakt mit Anforderungen: Kundinnen, Nachrichten, spontane Themen, kleine Brände, die gelöscht werden wollen. Ganz schnell verschiebt sich der Fokus. Du arbeitest das ab, was gerade vor dir liegt – statt bewusst zu entscheiden, was wirklich dran ist.
Das fühlt sich produktiv an. Ist es aber nicht unbedingt. Reaktiv zu arbeiten bedeutet, dass andere deine Agenda schreiben. Und am Ende fragst du dich, wo der Tag geblieben ist.
Du entscheidest nach Gefühl – nicht nach Klarheit.
Es gibt Aufgaben, die wichtig sind – aber sich nicht gut anfühlen. Vielleicht, weil sie unsicher sind. Weil sie unangenehm sind. Weil sie keine sofortige Belohnung bringen und der Erfolg noch weit weg scheint.
Und dann passiert etwas sehr Menschliches: Du entscheidest dich für das, was sich gerade leichter anfühlt. Nicht bewusst. Sondern leise, fast unbemerkt. Ein E-Mail hier. Ein kleines To-do dort. Ein Gespräch dort. Und plötzlich ist es Mittag.
Alles erscheint wichtig – und genau das ist das Problem.
Im eigenen Business gibt es selten nur eine Baustelle. Du hast Ideen, laufende Projekte, organisatorische Themen, Kundinnen-Anfragen, Weiterentwicklungspläne – und mit Sicherheit auch private Verpflichtungen, die parallel laufen. Alles hat seine Berechtigung. Und irgendwann fühlt sich alles gleich wichtig an.
Das Problem ist nur: Wenn alles wichtig ist, gibt es keine echte Priorität mehr. Und ohne echte Priorität fehlt dir die innere Richtung. Du arbeitest viel – aber ohne klaren Kurs.
An diesem Punkt versuchen viele, noch besser zu planen. Noch klarer zu strukturieren. Noch disziplinierter zu sein. Es gibt ja so viele Methoden – Zeitblöcke, Mindmaps, Wochenpläne. All die Projektmanagement- und Produktivitäts-Apps. Ich habe vieles davon selbst ausprobiert.
Und ich kann dir aus dieser Erfahrung sagen: Der eigentliche Hebel liegt woanders.
Du setzt keine Prioritäten. Du verkörperst sie.
In dem Moment, in dem dir etwas wirklich klar ist, brauchst du keine Disziplin mehr. Du brauchst keine Tricks. Keine Motivation. Keine perfekte Planung. Du handelst einfach.
Kennst du diese Momente? Wenn du genau weisst: Das ist jetzt dran. Dann gibt es kein inneres Hin und Her. Keine zehn Alternativen. Kein Aufschieben. Da ist einfach eine ruhige, klare Ausrichtung. Und genau daraus entstehen echte Prioritäten – nicht aus der Liste, sondern aus dir heraus.
Klarheit entsteht nicht als Methode. Sondern als innere Orientierung.
Klarheit entsteht durch Weglassen.
Der grösste Denkfehler ist: Wir versuchen, alles irgendwie unterzubringen. Mehr Planung, mehr Struktur, mehr Überblick – damit bloss nichts verloren geht und wir alles geschafft kriegen.
Aber Klarheit entsteht nicht durch mehr Optionen. Sondern durch weniger.
Das heisst konkret: Du entscheidest bewusst, was gerade nicht dran ist. Auch wenn es sinnvoll wäre. Auch wenn es grundsätzlich wichtig ist. Priorität bedeutet immer auch Verzicht. Und genau dieser Verzicht schafft Raum – für das, was wirklich zählt.
Deine echten Prioritäten zeigen sich in deinem Alltag.
Du kannst dir viel vornehmen. Du kannst dir perfekte Pläne machen und auf dem Papier eine klare Woche haben. Aber am Ende zählt nur eines: Was tust du tatsächlich?
Das ist kein Vorwurf. Sondern ein ehrlicher Blick – der sehr aufschlussreich sein kann. Denn deine gelebten Prioritäten sind immer sichtbar. Und oft zeigen sie dir klarer, wo du gerade stehst, als alles, was du dir vornimmst.
Viele versuchen, jede einzelne Aufgabe täglich neu zu priorisieren. Das kostet Energie – und führt oft zu noch mehr Unklarheit. Was stattdessen hilft, ist ein klarer Fokus auf wenige, entscheidende Fragen:
Wenn das klar ist, sortiert sich vieles automatisch. Du musst nicht mehr alles gleichzeitig im Blick behalten. Und Priorisieren wird plötzlich leichter – weil du nicht mehr bei null anfängst, sondern von einem klaren Mittelpunkt aus denkst.
Es fühlt sich anders an, als du vielleicht denkst. Nicht nach Druck. Nicht nach «ich muss jetzt». Nicht nach dem Gefühl, dass du endlich funktionierst.
Sondern eher so:
Du hast weniger auf dem Zettel – aber mehr Ruhe im Kopf.
Du bist bei dem, was du tust – statt ständig gedanklich woanders zu sein.
Du springst weniger zwischen Themen. Hast weniger inneres Ziehen in verschiedene Richtungen.
Und vor allem: Du hast weniger schlechtes Gewissen. Weil du weisst, dass du gerade am Richtigen bist. Nicht an allem. Aber am Richtigen. Das ist ein Unterschied, den du im Körper spürst.
Wenn du magst, nimm dir kurz einen Moment – nicht zum Überlegen, sondern zum ehrlichen Innehalten:
Oft liegt genau hier der Schlüssel. Nicht in einer neuen Methode. Sondern in der Antwort, die du schon weisst – und die du vielleicht nur noch nicht laut ausgesprochen hast.
Und vielleicht hast du es beim Lesen schon gespürt: Prioritäten setzen hat sehr viel mit Grenzen zu tun.
Denn jede echte Priorität bedeutet automatisch: Du entscheidest dich gegen etwas anderes. Gegen zusätzliche Aufgaben. Gegen Erwartungen von aussen. Gegen Dinge, die «auch noch sinnvoll wären». Manchmal auch gegen gut gemeinte Anfragen von Menschen, die du schätzt.
Und genau das ist der Punkt, an dem viele ausweichen. Weil «Nein» sagen unbequem ist. Weil wir niemanden enttäuschen wollen. Weil wir das Gefühl haben, wir müssten alles im Blick behalten – sonst entgleist irgendetwas.
Aber ohne dieses klare «Nein» bleiben Prioritäten theoretisch. Nett gedacht. Gut formuliert. Aber nicht wirklich wirksam.
Erst wenn du innerlich sagst: «Das ist jetzt nicht dran.» – erst dann wird eine Priorität auch wirklich eine Priorität. Für dich selbst. Und auch für dein Umfeld, das merkt, wann du wirklich fokussiert bist und wann du nur so tust als ob.
Vielleicht geht es gar nicht darum, dein Business noch besser zu organisieren. Noch effizienter zu werden. Noch mehr unter einen Hut zu bringen.
Sondern darum, dich darin nicht mehr zu verlieren.
Prioritäten setzen heisst nicht, mehr zu schaffen. Sondern klarer zu werden. Und aus dieser Klarheit heraus zu handeln. Ruhig. Fokussiert. Und Schritt für Schritt.

Mit ihrem Motto «Geh in deinem Business auf, nicht unter!» begleitet Gabriele Thies Solopreneure als Sparringspartnerin für ein smartes Zeit- & Selbstmanagement.
Sie hilft dabei, aus dem Hamsterrad auszusteigen – mit individuellen Strategien statt starren Methoden und mit Blick fürs Wesentliche statt fürs Perfekte. Ihr Antrieb: Wertvolle Ideen sollen ihren Weg in die Welt finden – mit Leichtigkeit statt im Chaos.
Gabriele Thies
Gabriele Thies
Webseite: gabrielethies.de
Email: post@gabrielethies.de
Telefon: +49 805 196 767 21
Eine Idee, die zehn Jahre lang blieb, ein Schicksalsschlag, der alles veränderte und ein Herzensprojekt, das schliesslich Wirklichkeit wurde.
Jahrelang habe ich Netzwerken vermieden. Was sich änderte: die Menschen und die Haltung, sie nicht als Konkurrenz zu sehen.
Synergien entstehen, wenn wir offen zuhören, Wissen teilen, Organisationen Dialoge ermöglichen und Menschen über Grenzen hinweg verbinden.