Nachhaltig denken heisst nicht nur ökologisch handeln
Wahre Nachhaltigkeit ist mehr als Ökologie. Wie du dein Business mit Strategie, Klarheit und gezielten Schritten zukunftsfähig aufstellst.
Autorin: Tanja Lenke
Als ich mich 2013 selbstständig machte, richtete ich mir zu Hause ein schönes Büro ein. Damals in Berlin, heute auf Fuerteventura. Was ich unterschätzt hatte: wie still es dort ist.
Mir fehlten Kolleginnen. Die Kaffeepausen. Das Schwätzchen zwischendurch. Ich wollte über Ideen sprechen, Erfolge feiern, mich über das ärgern, was gerade nicht lief. Stattdessen sass ich Tag für Tag allein vor meinem Rechner und fühlte mich einsam.
Also tat ich, was alle raten: Ich ging netzwerken. Und es wurde nicht besser.
Ich war auf einigen Veranstaltungen, um andere Selbstständige kennenzulernen. Nirgendwo fühlte ich mich wirklich wohl.
Vielleicht kennst du das: Es geht mehr um Selbstvermarktung als um echten Austausch. Die Gespräche bleiben an der Oberfläche. Und im Hinterkopf läuft bei allen dieselbe Rechnung – was bringt mir dieser Kontakt?
Genau das habe ich erlebt. Viele wollten sich vor allem profilieren. Es ging weniger darum, sich wirklich zu unterstützen, als darum, Aufmerksamkeit zu bekommen oder sich gegenseitig Produkte zu empfehlen – egal, ob sie passten oder nicht.
An dieser Stelle kommt meist der Ratschlag: Geh auf mehr Events. Sei mutiger. Der unterschwellige Vorwurf ist immer derselbe – du tust zu wenig, du bist nicht extrovertiert genug.
Ich halte diesen Blick für falsch. Das Problem war bei mir nie mangelnder Mut. Das Problem waren die Räume, in die ich ging, und die Haltung, die dort herrschte.
Was sich änderte, waren die Menschen.
Irgendwann traf ich auf Frauen, die ähnlich tickten wie ich. Die ähnliche Werte hatten und ähnliche Ziele verfolgten. Denen Austausch auf Augenhöhe wichtiger war als Kontaktesammeln – und Integrität wichtiger als schneller Umsatz.
Und da kippte etwas. Auf einmal musste ich mich zu nichts zwingen. Ich wollte diesen Menschen einfach helfen, teilen, was ich wusste und sie miteinander verbinden, damit sie sich gegenseitig unterstützen können. Zum ersten Mal gab mir Netzwerken Energie, statt sie zu nehmen.
Weil ich diesen Raum nirgends fand, habe ich ihn gebaut: 2016 gründete ich die she-preneur Community. Heute sind über 8.000 selbstständige Frauen Teil davon.
«Netzwerken mit Mehrwert» klingt zuerst wie eine weitere Formel. Erst geben, dann bekommen. Das stimmt sogar – beschreibt aber nur die Oberfläche.
Denn Mehrwert zu geben ist nichts, dass du dir abringen musst. Es entsteht von selbst, wenn die Menschen passen. Dann überlegst du nicht, wie du hilfreich sein könntest. Du bist es einfach. Du hörst eine Frage und hast sofort einen Gedanken dazu. Du merkst, dass zwei Menschen zusammengehören, und stellst sie einander vor.
Die entscheidende Weiche wird also nicht beim Geben gestellt, sondern viel früher – bei der Wahl der Menschen, mit denen du dich umgibst.
Der grösste Bremsklotz dabei ist ein Reflex: Wer in meiner Nische unterwegs ist, ist meine Konkurrenz.
Ich habe das lange geglaubt. Heute sehe ich andere Unternehmerinnen in meinem Feld als Partnerinnen – und das hat mein Business stärker verändert als jede Marketingmassnahme.
Denn aus dieser Haltung entsteht etwas, das allein nicht möglich ist: gemeinsame Webinare, in denen sich zwei Fachgebiete ergänzen. Retreats und Live-Events, die zu zweit plötzlich tragfähig werden. Gastartikel, Affiliate-Partnerschaften, Empfehlungen an die Richtige, wenn eine Anfrage nicht zu mir passt.
Durch solche Gemeinschaftsprojekte wurde ich selbst sichtbarer. Meine Reichweite wuchs, mein Umsatz stieg, weil sich Türen öffneten, an die ich vorher nicht einmal geklopft hatte. Ich wurde in Mastermind-Gruppen eingeladen und bekam Zugang zu Events, die man von aussen gar nicht sieht.
Nichts davon hatte ich strategisch angesteuert. Es entstand daraus, dass ich zuerst gegeben hatte.
Und genau hier verstehen viele das Netzwerken falsch. Sie denken, es gehe darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Aber es kommt nicht darauf an, wie viele Leute du kennst. Sondern wer dich kennt – und wie tief diese Verbindungen wirklich sind.
Zwei Dinge habe ich dabei zu spät verstanden: Netzwerken ist Arbeitszeit, kein Nice-to-have für den Feierabend. Und: Bau dein Netzwerk auf, bevor du es brauchst.
Das ist für mich die ehrlichste Frage zum Thema. Nicht, wie viele Visitenkarten in deiner Schublade liegen – sondern: Wer denkt an dich, wenn du gar nicht dabei bist?
Denn Netzwerken war für mich nie ein Charakterfehler, den ich beheben musste. Es war nur die falsche Umgebung.
Vielleicht ist das auch für dich die eigentliche Frage. Nicht: Wie werde ich besser im Netzwerken? Sondern: Bin ich schon in den richtigen Räumen?

Tanja Lenke ist Business-Strategin und Gründerin von she-preneur, der Weiterbildungs-Plattform für selbstständige Frauen und Online-Unternehmerinnen. Sie begleitet Frauen dabei, ihr Business unternehmerisch zu führen, statt nur darin zu arbeiten.
Seit 2016 bringt sie Gleichgesinnte zusammen und unterstützt ihre Kundinnen bei Positionierung und Skalierung. Ihre Community umfasst über 8.000 Frauen.
she-preneur
Tanja Lenke
Webseite: she-preneur.de
Email: hallo@she-preneur.de
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