"Nachhaltigkeit" - ein oft verwendeter Begriff, aber was steckt dahinter? - womenbiz

„Nachhaltigkeit“ – ein oft verwendeter Begriff, aber was steckt dahinter?

Veröffentlicht am 17. September 2021

Autorin: Petra Wiesner-Molitor

Wenn man heute in Google den Begriff „Nachhaltigkeit“ eingibt, kann man viele Artikel finden und viele Slogans. Aber was bedeutet Nachhaltigkeit denn genau?

Zitat laut Wikipedia:

„Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.“

Seit 2010 setzte ich mich immer intensiver mit diesem Thema auseinander. Über eine Bauherrin bin ich damals auf die Massivholzbauweise aufmerksam geworden und habe dann 2014 die Ausbildung zur Baubiologin beim IBN abgeschlossen um die Zusammenhänge aller Bereiche für Baubiologie kennen- und anwenden zu lernen.

Als gelernte Schreinerin schlägt mein Herz schon immer für den Rohstoff Holz und was man damit alles herstellen kann. Familiär bedingt habe ich immer eng mit Fertighausfirmen zusammengearbeitet und diese Effizienz und Qualität der vorgefertigten Bauweise, vielen meiner Bauherren nähergebracht. Die Entwicklung des energiesparenden Bauens hatte für mich vor ca. 10 Jahren allerdings ein Bewusstwerden nach sich gezogen, da meines Erachtens der Fokus zunehmend viel zu sehr auf mathematischen Berechnungen lag, die eine Minimierung des künftigen Energieverbrauchs während der Nutzung, im Auge hatte. Immer mehr technischen Lösungen sind aufgekommen und werden verbaut, die sich selbstverständlich auch auf die Baukosten und die Bewirtschaftungskosten auswirken.

Dieses Parabelfunktion des U-Wertes zeigt, dass der Aufwand überproportional steigt, je niedriger der U-Wert ist, um eine weitere Optimierung der rechnerischen Energieeinsparung zu bewirken.

Quelle: www.egle-engineering.de

Somit ist beispielhaft sehr gut veranschaulicht, dass auch im Hausbau das Paretoprinzip 80/20 angewendet werden sollte – 20 % Aufwand um 80% seines Zieles zu erreichen. Denn um die restlichen 20% für eine gewünschte „Vollkommenheit“ aufzuwenden, werden 80% Energie – in welcher Form auch immer – erforderlich.

Meine Frage lautete also: „Wie baue ich mit einem reduzierten Energieverbrauch, ein optimales Gebäude hinsichtlich Raumkonzept, Statik, Bauphysik, Gebäudetechnik und der Baustoffe – dass im Anschluss dann auch die Kosten für das Betreiben und die Entsorgung ebenso nachhaltig bleiben?“

Meine gefundenen Schlagwörter für die Definition von Nachhaltigkeit schlüsselt sich nun wie folgt auf:

N……      atürlich

A….        uthentisch

CH…       emiefrei

H…         andwerklich hochwertig

A…          ufatmen

L…           anglebig

T…          echnisch verständlich

I…           ndividuell

G…         anzheitlich

K…          lar und kreativ

E…          ffizient

I…           ntelligente Lösungen

T…          oll! 😊

Nun ist dieses Bewusstsein schon sehr stark im Wohnungsbau angekommen wie man hier bei aktuellen Bauvorhaben im Rhein-Main Gebiet sehen kann.


Foto: www.ars-tectandi.de

Und aber auch immer mehr in öffentlichen Gebäuden und Bürogebäude, wie dieses mit ca. 1.800 m² Bruttogrundrissfläche. Hier arbeite ich sehr konstruktiv mit der Fa. Holzius aus Südtirol zusammen, die es mir mit leim- und metallfreien Wand- und Deckenelementen ermöglichen, eine großartige Hülle für Gebäude aller Art zu realisieren. Wie eine zweite Haut verhält sich diese Konstruktionsart. Wichtig ist jedoch, dass man bei den Folgegewerken, wie Fassade und Innenausbau weiterhin die Reinheit und Diffusionsoffenheit der zu verarbeitenden Materialien beachtet.

Das Thema Nachhaltigkeit sollte aus meiner Sicht auch sehr die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Denn Geld, die für einen Bau notwendigen Finanzen, sind auch ein Ausdruck von Werten. Wie gehe ich mit meinen Werten um. Schätze ich die Qualität oder ist Quantität, aber dafür billig und kurzlebig wichtiger. Das heisst aber nicht, dass geknausert werden muss, nein – eine schlaue und mit dem Nutzer fein abgestimmte Konzeption lässt Qualität und Kostenbewusstsein zu. So dass ein Leben neben dem Hausbau immer möglich ist.

Ich bin sicher, dass der aktuell stattfindende Wandel unseres Bewusstseins, auch beim Bauen positive Veränderungen nach sich zieht.

Ganzheitlich – weniger ist mehr – klar – einfach und dennoch modern – hier ist noch viel möglich! Packen wir´s an!

Welche Erfahrungen sammelst du aktuell bezüglich der Thematik Nachhaltigkeit? Wo siehst du deine Herausforderungen?

Petra Wiesner-Molitor
Dipl.-Ing. FH Architektin und Baubiologin

architekturbüro ars tectandi

Telefon: +49 9741 93 89 74
E-Mail: info@wiesner-molitor.de
Webseite: www.ars-tectandi.de

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