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Nachhaltiges Bauen – WohnWERTE heute

Veröffentlicht am 15. April 2021

Autorin: Petra Wiesner-Molitor

Was bedeutet eigentlich nachhaltiges Bauen? Kommt „Nachhaltigkeit“ von „HALTEN“ oder „NACHHALLEN“? Als Architektin und Mutter von 3 Kindern beschäftige ich mich sehr mit diesem Thema, und wie ich meinen Teil dazu beitragen kann unseren Kindern einen gesunden Planeten zu übergeben.

Daher sollten wir alle das Thema Bauen mal mit Abstand – von aussen – betrachten. Nicht nur das Thema Energieverbrauch in der Nutzung oder „gute“ Materialien machen nachhaltiges Bauen aus.

Welchen Platzbedarf benötigen wir heute denn wirklich?

Während vor ca. 100 Jahren ca. 17 m² Wohnfläche pro Person zur Verfügung standen, bewohnt in Deutschland heute eine Person ca. 45 m² Wohnfläche. Wir verlassen heute um 7.00 Uhr das Haus (Anfahrt Arbeit, Schule, Kindergarten) und kehren zwischen 15.00 Uhr und 19.00 Uhr wieder in unser trautes Heim. 2,5 mal mehr Fläche für Schlafen, Körperpflege und Essen (Bäder mit 15m² sind keine Seltenheit). Oder ist es unser alter Trieb vom „Jagen und Sammeln“? Konnten wir im 20. Jahrhundert mit 180 Dingen unser Leben bewerkstelligen, so benötigen wir Anfang des 21. Jahrhunderts 10.000 Gegenstände. Entrümpeln wirkt sich somit sehr nachhaltig auf Haus und Seele aus…..

Bauen wir neu oder beschäftigen wir uns mit den zahlreichen Bestandsbauten?

Wenn ich durch die ländlichen Gegenden fahre, fallen mir die zahlreichen Leerstände auf. Oder die Siedlungen aus den ´60-er Jahren mit Einfamilienhäusern – so groß wie ein 2-Familienhaus –, in denen nur noch die Eltern oder Grosseltern wohnen. Die Zahl ist steigend. Die Grossstädte hingegen platzen aus allen Nähten und die Miet- bzw. Kaufpreise steigen ins Unermessliche. Ist es denn wirklich so erstrebenswert in der Grossstadt zu leben? 2/3 des Gehalts pro Monat für die Miete oder den Kaufpreis aufzubringen? Auch hier bin ich eine Stunde unterwegs, wenn ich von A nach B möchte. Also ist die ersehnte zentrale Lage nur Augenwischerei? Könnten wir nicht doch noch mal intensiver über zeitgemässe Arbeitsmodelle nachdenken – die Technik könnte heute schon vieles wahr werden lassen. Die aktuelle Situation hat es vielen von uns gezeigt, wie es gehen kann.

Nun ist aber nach allen Abwägungen, doch der Neubau sinnvoll – wie mache ich das nachhaltig?

Ich weiss, dass heute zahlreiche Entwurfsvarianten – Musterhäuser – von Firmen ausgearbeitet wurden. Wunderbare Konzepte, schöne Architektur, alles aus einer Hand, Kostensicherheit, Energieeinsparung und viele andere Argumente, die hier aufgeführt werden. Aber wir wollen doch auf der anderen Seite alle Individuen sein – keine Erika Mustermann. Wir haben auch kein Mustergrundstück und keine Musterfamiliensituation. Ich denke, dass man viel Geld sparen kann wenn man vor der Unterzeichnung eines Hausvertrages folgende Aspekte mit einer Fachperson besprochen werden würden: Wie ist das Gelände? Baue ich mit Keller, ist es steil, Nord-Südausrichtung, Erschliessung, Verschattung, Ausblick, Einblick, Garten, Gartenpflege, Bodenverhältnisse, elektromagnetische Strahlungen im Umfeld, Spannungsleitungen, welches Material möchte ich einsetzten, wie ist der Energieverbrauch später, ABER wie ist der Energieverbrauch für die Herstellung meines Hauses inklusive kostenintensiver Technik.

Denn unsere Häuser – Wohn- und Arbeitsgebäude – sind unsere „zweite Haut“….

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Baumaterialien. Der technische Fortschritt in den Produktions- und Verarbeitungsprozessen setzt den menschlichen Ideen kaum noch Grenzen. Aktuell besteht zum grössten Teil jedoch noch die Ansicht alles billig herzustellen – billig, immer nur aus Sicht der finanziellen Möglichkeiten des Käufers, in unserem Fall des Bauherrn. Aber, als Architektin fühle ich mich verantwortlich meinen Bauherrn eine ganzheitliche Betrachtung aufzuzeigen. Mit welchen Materialien bin ich 80% meiner Lebenszeit umgeben? Wie wirken sich diese direkt auf mein Leben aus? Wie wirken sich diese indirekt auf mein Leben und das unserer Kinder aus? Es gibt den Aspekt der optischen und haptischen Qualität, aber auch bauphysikalische Eigenschaften – Wärmeleitfähigkeit, Diffusionsoffenheit und die Giftfreiheit. Alleine über das Thema der Bauphysik könnte man hier einen eigenen Artikel schreiben. Mir ist es bei der Beratung allerdings wichtig meinen Kunden und Partnern zu erläutern wie gut es ist in einem natürlichen Umfeld zu leben. Wie schön ist es, wenn die umschliessenden Wände und deren Oberfläche die Raumfeuchte aufnehmen und zeitversetzt abgeben können- ohne dass man mit einem erhöhten technischen Aufwand für Belüftung sorgen muss.
Und nun die Kosten, „nachhaltiges Bauen ist doch teuer, oder?“

Hier höre ich immer wieder, dass baubiologisches, natürliches Bauen kostenintensiv ist. Hierzu möchte ich einfach nur ein paar Fragen stellen, die sich jeder dann selber beantworten kann. Kosten sollten immer als individuelle Wertigkeit beurteilt werden, denn 1.000 € können für den Einen viel für den Anderen wenig sein. Wer legt das fest?

• Wer sparen möchte sollte als erstes seinen Bedarf reduzieren. Jeder m³ – umbauter Raum kostet – egal welches Material verbaut wird
• Hochwertige Baumaterialien wirken sich mit ca. 5% auf die Baukosten aus – aber diese sind leicht durch wirtschaftliche Konzeptionen – wie oben erwähnt – einzusparen
• Es wird immer nur der Kaufpreis beachtet – was ist mit den Wartungs- und Instandhaltungskosten. Bzw. wie sieht es mit den Entsorgungskosten aus – z.B. heute ist Styropor Sondermüll und muss selbstverständlich als solcher kostenintensiv entsorgt werden
• Aufwendige Gebäudetechnik hat einen hohen Primärenergiebedarf in der Herstellung und muss durch Fachfirmen kostenintensiv gewartet werden. Hier ist keine Eigenleistung mehr möglich.
• Als „letzter“ Punkt: Unsere Gesundheit, unsere Lebensqualität. Wie kann man dies kostenmässig bewerten? Nachweislich entstehen viele Krankheiten und Beeinträchtigungen durch die Ausdünstung der Materialien in unseren Häusern. Diese sind oft sehr schwer herauszufinden, da diese individuell und sich sehr langsam auswirken, so dass die Zuordnung Krankheit/Ursache – nicht immer gleich ausfindig gemacht werden kann.

Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren den Fokus zum Thema nachhaltigen Bauen zu erweitern und mit einem grösseren Blick von „aussen“ auf dein mögliches Gebäude zu werfen.

Min-Max-Prinzip: mit einem minimalen Energieaufwand das Maximum an persönlichem Wert hervorzubringen. Hierbei helfe ich dir gerne!

architekturbüro ars tectandi
Petra Wiesner-Molitor

Telefon: +49 9741 93 89 74
E-Mail: info@wiesner-molitor.de
Webseite: www.ars-tectandi.de

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