Prioritäten setzen: Warum es nicht an deiner Disziplin scheitert
Volle Liste, leeres Gefühl? Warum echte Prioritäten keine bessere Planung brauchen – sondern eine innere Entscheidung.
Autorin: Elena Jäger
Vielleicht nutzt du ChatGPT oder Claude bereits regelmässig, um Texte zu überarbeiten oder Ideen zu entwickeln. Und vielleicht hast du auch schon gemerkt: Da ist noch viel mehr möglich.
Denn oft bleibt es bei einzelnen Prompts, einzelnen Aufgaben, einzelnen kleinen Erfolgen. Das ist ein guter Start, aber eben erst der Anfang. Auch wenn du technisch nicht sonderlich versiert bist, kannst du die KI noch viel besser einsetzen.
Was ich in der Zusammenarbeit mit meinen Kundinnen und Kunden immer wieder erlebe: KI ist noch nicht wirklich integriert. Die meisten nutzen sie als Chat-Fenster für Einzelfragen. Den eigentlichen Hebel, also KI als festen Bestandteil wiederkehrender Arbeitsprozesse, haben bisher die wenigsten genutzt.
Das Gute: Der Einstieg ist einfacher, als du denkst. Und du brauchst dafür keine ausgeprägten technischen Fähigkeiten.
Viele selbstständige Beraterinnen, Coaches und Trainerinnen, mit denen ich arbeite, sagen nicht: «KI interessiert mich nicht.» Sie sagen: «Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll.» Und manchmal auch: «Ich bin mir nicht sicher, was ich überhaupt machen darf.»
Das sind zwei völlig legitime Fragen und sie verdienen eine klare Antwort.
Zur Orientierung vorab: Wenn du keine Personendaten eingibst (also keine Infos zu konkreten Kunden, keine Namen, keine sensiblen Inhalte aus Kundengesprächen), dann hast du als selbstständige Person in den meisten Fällen viel Spielraum. Sobald Personendaten ins Spiel kommen, lohnt es sich, kurz nachzuschauen, welche Regeln für dich gelten. Aber das ist kein Grund, gar nichts zu tun.
Statt grosser Theorie: Hier sind drei Bereiche, in denen du KI direkt sinnvoll einsetzen kannst.
Du weisst, was du sagen willst, aber dir fehlen die Worte, oder die Zeit, oder beides. KI kann dir hier eine erste Fassung liefern, auf Basis deiner Stichworte oder eines kurzen Inputs. Du gibst ihr deine Kernbotschaft, deinen Ton und deine Zielgruppe und bekommst einen Entwurf, den du überarbeitest und zu deinem machst.
Und genau das ist der Punkt: KI soll nicht deine Stimme ersetzen. Sie soll dir helfen, schneller zu starten und aus einem leeren Dokument rascher eine gute erste Version zu machen.
Du hast ein Thema, einen Rahmen, eine Gruppe. Und es gibt immer diese Aufgaben, die Zeit kosten: Agenda entwerfen, Fragen formulieren, Reflexionspunkte entwickeln, Unterlagen strukturieren. Genau das ist ein idealer Einsatzbereich für KI.
Du kannst ihr deinen Workshop-Kontext beschreiben, erklären, wie du typischerweise einen Workshop durchführst, und die KI dann nach einem groben Ablauf, nach Übungen, nach Transferfragen oder Zeitvorschlägen fragen. Du prüfst, was passt, und baust deinen Workshop daraus.
Ein neues Angebot entsteht selten auf Anhieb sauber. Oft weisst du, was du anbieten willst, aber die Formulierung, die Struktur, die Argumente fehlen noch. KI kann helfen, einen ersten Angebotsentwurf zu erstellen, Positionierungsalternativen vorzuschlagen oder dein bestehendes Angebot klarer zu formulieren.
Gib ihr deinen Kontext: Für wen ist das Angebot? Was ist das Ziel? Was ist inklusive? Und lass sie einen Vorschlag machen. Du entscheidest, was bleibt.
Wie ich dabei am liebsten vorgehe: Ich gebe der KI die Dokumente, die ich bereits habe – zum Beispiel bestehende Workshopstrukturen oder frühere Angebote – und erkläre ihr, was davon sie beibehalten soll, damit sie das auf den neuen Kontext anpassen kann.
Mein Pro-Tipp: Für alle drei Use Cases arbeite ich ausserdem sehr gerne mit dem Sprachmodus, also mit dem kleinen Mikrofon in deinem Eingabefenster. So spreche ich meine Ideen in die KI statt sie zu tippen. Für mich kommt so viel mehr Kontext und Authentizität rein – und ich spare dabei auch noch Zeit.
Der grösste Unterschied zwischen «KI mal ausprobiert» und «KI macht meinen Arbeitsalltag effizienter» liegt nicht im Tool. Er liegt darin, ob du nur im Chat arbeitest oder schaust, wie KI deinen gesamten Prozess unterstützen kann.
Das klingt jetzt komplizierter als es ist. Konkret heisst das zum Beispiel:
Klingt technisch? Ist es eigentlich nicht. Die meisten dieser Möglichkeiten sind mit einfachen Tools umsetzbar, ganz ohne Programmierkenntnisse und ohne grosses Setup. Was es braucht, ist ein bisschen Zeit zum Ausprobieren und die Bereitschaft, einmal etwas anders zu machen als bisher.
Pro Tipp: Wenn du eine Aufgabe im Chat erfolgreich gelöst hast, frag die KI direkt: «Ich möchte das künftig wiederkehrend bearbeiten. Formuliere mir dafür einen guten Prompt und sag mir, welche Informationen ich dafür am besten dokumentiere.» Das Ganze kannst du später zum Beispiel in einen Custom GPT (ChatGPT) oder ein Projekt (Claude) packen. Wie das geht? Bitte einfach die KI, dich dabei Schritt für Schritt durch den Prozess zu führen.
Du musst nicht alles auf einmal lösen, bevor du anfängst. Du brauchst nicht das perfekte Tool, das gibt es sowieso nicht. Und du musst auch keine KI-Expertin sein. Ich bin es auch nicht.
Was zählt: ein konkreter Use Case, ein erstes Ausprobieren und die Bereitschaft, beim nächsten Mal etwas besser zu machen.
Wer heute anfängt, steht in sechs Monaten an einem ganz anderen Punkt.

Elena Jäger begleitet selbstständige Beraterinnen und Coaches dabei, KI sinnvoll in ihren Arbeitsalltag zu integrieren, ohne dass technisches Wissen erforderlich ist.
Mit über 20 Jahren Erfahrung im Consulting und Coaching und diversen Coaching- und KI-Weiterbildungen ist sie überzeugt: Der Einstieg ist einfacher, als die meisten denken. Für wöchentliche KI-Insights: abonniere Elenas Newsletter «Augmented: The Human Edge in the AI Age».
Future of Work
Elena Jäger
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Volle Liste, leeres Gefühl? Warum echte Prioritäten keine bessere Planung brauchen – sondern eine innere Entscheidung.
Wer mehr Möglichkeiten sieht, trifft bessere Entscheidungen. Genau dort beginnt die Kunst, Nein zu sagen.
Als Zahlenhüterin habe ich nicht die Buchhaltung verändert – sondern meinen Blick auf Zahlen. Und genau das verändert gerade alles.