Von Krisen und Chancen: Eine Neo-Unternehmerin berichtet | womenbiz

Von Krisen und Chancen: Eine Neo-Unternehmerin berichtet

Veröffentlicht am 21. Juli 2020

Gründen und durchstarten, das war mein Plan. Dann kam das Virus. Dank grosser Neugierde und Entschlossenheit hatte der Lockdown aber auch sein Gutes.

Anfangs März 2020 ist es soweit: Ein Traum wird wahr. Ich sitze beim Notar und unterschreibe mit Stolz und Freude die Gründungsdokumente für die BJOORN Events GmbH. Doch so richtig jubeln mag ich nicht. Ein uns noch unbekanntes, hochansteckendes Virus breitet sich in Europa und im Rest der Welt aus. Deswegen sind Veranstaltungen mit über 1’000 Personen in der Schweiz seit Kurzem verboten. Was bedeutet dies für meine Geschäftsidee? Macht es Sinn, diese ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt zu lancieren?

Mit Vollgas voraus

Blicken wir zuerst einmal zurück. Im Frühling 2019 wollte ich mein Vorhaben, mein eigener Chef zu werden, endlich angehen. Per Zufall sah ich eine Werbung für einen Informationsanlass mit dem Titel «Ich mache mich selbständig». Ein Wink des Schicksals? Aus heutiger Sicht scheint es mir jedenfalls so.

Ermuntert von den wertvollen Inputs aus diesem Seminar und von meinen eigenen Recherchen im Internet erstellte ich einen Businessplan. Ich definierte das Angebot und den Zielmarkt, setzte mich mit meinen Stärken, meinen Schwächen und meiner finanziellen Situation auseinander. Als potenzielle Gefahren identifizierte ich damals eine negative Entwicklung der Stadt Basel als Messe- und Konferenzstandort sowie ein genereller Einbruch der Konjunktur. Ich machte mir auch Gedanken zu operationellen Risiken. Zum Beispiel, dass es aufgrund eines Verkehrschaos zu Verzögerungen kommen könnte und die Teilnehmer oder der Referent verspätet oder gar nicht eintreffen. Alles Dinge, mit denen ich würde umgehen können – eine weltweite Pandemie kam jedoch in keinem dieser Szenarien vor. Deshalb kündigte ich meine Festanstellung auf den 31. Januar 2020 und machte mich an die Realisierung meines Businessplans. Ich entschied mich für einen Firmennamen, liess das Logo gestalten und leitete die Gründung in die Wege.

Karin Björn Visitenkarten - Chancen

Alles auf Stopp

Kein Wunder also, dass die Ereignisse vom 28. Februar 2020 ein Schock für mich waren. An diesem Tag hat der Bundesrat die Durchführung von Events mit mehr als 1’000 Teilnehmern bis auf Weiteres verboten. Daraufhin fing ich an, die Verordnungen von Kantonen und Bund akribisch zu studieren. Und obwohl sich mein Angebot vorwiegend auf Corporate Events, Seminare und Tagungen konzentriert, sah ich eine Perspektive für mich. Denn zu meinen Dienstleistungen zählen auch Projektleitung und Projektmanagement bei Kampagnen, Social Media- und sonstigen Marketingaktivitäten sowie Beratung und Unterstützung in Sachen Fundraising und Sponsoring.

Deshalb beschloss ich, den Notartermin für die Gründung meiner GmbH nicht zu verschieben. Schliesslich warteten unzählige Akquisitions- und Netzwerktermine auf mich. Aber dazu kam es leider nicht mehr: Am 16. März 2020 erklärte der Bundesrat die «ausserordentliche Lage». Zugleich wurden alle privaten und öffentlichen Veranstaltungen untersagt. Was nun? Wie lange würde dieser Zustand anhalten? Fragen, die mir niemand beantworten konnte. Trotz meiner Verunsicherung versuchte ich, ruhig zu bleiben und die nächsten Schritte zu planen.

Kein Licht ohne Schatten

Als Erstes stoppte ich sämtliche Akquisitionsbemühungen und nutzte die gewonnene Zeit, um mein Fachwissen mit Self Learning und Videomeetings aufzufrischen und zu erweitern. Dann endlich ein Silberstreifen am Horizont: Am 25. März 2020 erhielt die BJOORN Events GmbH den Auftrag, den bestehenden Medien-Mix und die Social Media-Massnahmen eines Unternehmens zu analysieren und zu optimieren. Was für eine Erleichterung! Sofort wurde ein Videocall mit der Familie organisiert, um darauf anzustossen. Dieser Erfolg musste gefeiert werden, egal wie.

Ein weiterer ermutigender Moment war die Zoom Call-Teilnahme an einer Buchpräsentation im April. Eigentlich hatte ich mich bloss aus Neugierde angemeldet, lernte dabei aber das Netzwerk womenbiz kennen und schätzen. Der Austausch mit den Unternehmerinnen ist für mich seither eine echte Bereicherung.

Karin Bjoorn - Ein gelungener Event ist eine Serie perfekter Momente - Chancen im Lockdown

Kommt Zeit, kommt Rat

Die Zweifel sind deswegen aber nicht gänzlich verschwunden. Manchmal fällt es mir schwer, positiv zu denken, an meine Chancen zu glauben und diese wahrzunehmen. Doch dank der ersten Kunden und der fundierten strategischen Planung meiner Selbständigkeit stehe ich finanziell bis anhin auf sicheren Beinen. Mein Businessplan sieht eine zweijährige Startphase vor, insgesamt rechne ich mit einer Aufbauphase von fünf Jahren. Dabei spielt es mir in die Karten, dass meine laufenden Kosten noch ziemlich tief sind.

Der Lockdown hat mir also auch einiges gebracht. Ich konnte Vieles in Ruhe ausprobieren, mein Netzwerk ausbauen und Administratives erledigen. Ausserdem hat mir diese Situation gezeigt, dass nicht alles kalkulierbar ist und dass man ab und zu unbequeme Entscheidungen treffen muss. Vielleicht bin ich wegen Covid-19 gar schneller in meiner neuen Rolle angekommen und war mir der damit verbundenen Verantwortung von Anfang an bewusster. Auf jeden Fall möchte ich keinen Tag meines bisherigen Unternehmertums missen. Die Freiheit, selbst zu bestimmen, macht mir Spass und ich freue mich darauf, mit der eigenen Firma meinen Weg gehen zu können. Und natürlich auf inspirierende Begegnungen sowie auf zahlreiche Aufträge in naher und ferner Zukunft.

Herzliche Grüsse oder wie wir auf Schwedisch zu sagen pflegen: hjärtliga hälsningar!
Karin

Webpräsenz: www.bjoorn-events.ch
Email: welcome@bjoorn-events.ch

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