Interview mit Mylène Thiébaud
Mylène Thiébauds Weg führte sie nach dem ETH-Abschluss als Lebensmittelingenieurin über Indien, die Lebensmittelindustrie, das Marketing bei Carbagas, strategische Entwicklung bei Migros Aare – bis hin zur eigenen Gründung.
Wir haben ihr ein paar Fragen zum Monatsthema «Frauenpower: Mut, Stärke, Inspiration. Wir feiern Frauen, die ihren Weg gehen.» gestellt.
Mylène, erzähle uns bitte ein wenig über dich – und deine Arbeit.
Ich begleite Verwaltungsräte, CEOs und Unternehmerinnen in strategischen Fragen, in Übergängen und in schwierigen Gesprächen. Meine Arbeit besteht weniger darin, Lösungen zu liefern, sondern Klarheit zu schaffen. Viele Organisationen wissen ungefähr wohin sie wollen, aber nicht ehrlich genug warum oder mit wem. Genau dort arbeite ich. Neben meiner Beratung leite ich das SwissBoardForum, wo erfahrene Entscheidungsträger auf Augenhöhe voneinander lernen.
Du arbeitest täglich mit CEOs, Verwaltungs- und Stiftungsräten. Wo erlebst du heute echte Frauenpower – und wo wird sie noch unterschätzt?
Ich erlebe sie überall dort, wo Verantwortung getragen wird ohne Bedürfnis nach Bühne. In Stiftungsräten, Familienunternehmen und Nachfolgesituationen. Frauen moderieren Spannungen, halten Systeme stabil und ermöglichen schwierige Entscheidungen.
Unterschätzt wird sie noch immer dort, wo Lautstärke mit Kompetenz verwechselt wird. Viele der wirksamsten Frauen sprechen weniger, sehen aber mehr.
Welche Vorbilder haben dich inspiriert – oder inspirieren dich noch heute?
Mich inspirieren weniger einzelne Personen als Haltungen. Menschen, die Macht nicht brauchen um wirksam zu sein. Führungskräfte, die zuhören bevor sie entscheiden. Und Unternehmerinnen, die Verantwortung nicht delegieren sondern tragen. Ich beobachte solche Persönlichkeiten seit Jahren und lerne ständig weiter.
Frauenpower wird oft mit Lautstärke oder Sichtbarkeit gleichgesetzt. Was bedeutet Stärke für dich konkret im beruflichen Alltag?
Stärke ist Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit.
Ein klares Nein sagen, wenn alle ein bequemes Ja wollen.
Konflikte ansprechen, bevor sie eskalieren.
Und Verantwortung übernehmen ohne sich hinter Rollen zu verstecken.
Viele Frauen zweifeln, ob sie bereit genug sind für Verantwortung oder Führungsrollen. Was würdest du einer Unternehmerin sagen, die spürt, dass mehr in ihr steckt – sich aber noch zurückhält?
Bereitschaft entsteht nicht vor der Verantwortung, sondern darin. Wenn du wartest, bis du dich bereit fühlst, wirst du sehr lange warten.
Der entscheidende Moment ist der, in dem du akzeptierst, dass Führung immer Unsicherheit enthält und du trotzdem gehst.
Wenn du an die nächsten Jahre denkst: Was wünschst du dir?
Mehr ehrliche Gespräche in Organisationen. Weniger Inszenierung. Und Führungsgremien, die sich mit Wirkung beschäftigen statt mit Image.
Was wünschst du der Welt?
Mehr Reife. Weniger Reaktion.
Die Fähigkeit, Komplexität auszuhalten ohne sie zu vereinfachen.
Über die Interviewpartnerin

Neugier und Verantwortung haben Mylènes Weg geprägt. Nach dem ETH-Abschluss als Lebensmittelingenieurin führte ihr Weg über Indien, die Lebensmittelindustrie, das Marketing bei Carbagas, strategische Entwicklung bei Migros Aare – bis hin zur eigenen Gründung.
Mit Transformy gestaltet Mylène heute nachhaltige Veränderung – als Sparringpartnerin, Moderatorin und Mandatsträgerin. Im SwissBoardForum fördert sie den professionellen Austausch unter VerwaltungsrätInnen und bringt neue Perspektiven ins System.
Transformy GmbH
Mylène Thiébaud
Webseite: transformy.ch
Email: info@transformy.ch
Telefon: +41 78 885 03 85


