Gesunder Optimismus oder aufgedrängter Positivismus? Gesetz des freien Willens. - womenbiz

Gesunder Optimismus oder aufgedrängter Positivismus? Gesetz des freien Willens.

Veröffentlicht am 11. November 2022

Autorin: Ruslana Tscheligi

Wir sind dafür da, jeden Tag Entscheidungen zu treffen, die die Menschheit in eine bessere Zukunft führen. Wir sind dafür da, mit unseren bewussten Entscheidungen diese Welt besser zu machen.

Heute bin ich kritisch unterwegs.

Grundsätzlich bin ich eine Optimistin und absolute Verfechterin der positiven Lebenseinstellung. Doch in letzter Zeit beobachte ich eine gefährliche Entwicklung in der Gesellschaft. Alle möglichen Medien und Speakers reden übertrieben viel über «Lifestyle-Positivity», was schon an eine Propaganda erinnert. Menschen, die zu fest an ihrer «positiven Lebensart» hängen, verlieren langsam die Fähigkeit kritisch zu denken und sie können in eine gefährlichere Gleichgültigkeit verfallen. Sie erinnern mich an den Vogel Strauss, der sein Kopf in dem Sand steckt im festen Glaube den Gefahren auszuweichen. 

Ja, Psychologie ist eine der besten Tools zu sich selbst zu finden, schwierige Situationen zu verarbeiten, diese zu akzeptieren um weiterzuleben. Es hilft enorm ein Leben in den Griff zu bekommen, falls es entgleist. Menschen, die aber zu fest in ihrem künstlich-positiven Glauben versinken, verlieren oft den Bezug zur Realität. Das Ego wächst, die Probleme werden (un)bewusst ignoriert, gegenüber schlimmen weltweiten Ereignisse und Problemen werden die Augen, mit allen möglichen Ausreden, zugemacht.
Wir beobachten einen weltweiten Boom für sogenannte «Persönlichkeitswachstum» Kurse, Seminare, Schulen und Retraiten, die eigentlich, eine gute Sache sind. Leider verwechseln die Absolventen wegen der ihnen gebotenen Informationsflut oft, den gesunden Optimismus mit aufgedrängten Positivismus.

Ich finde den Gedanken, dass der grösste Teil der Menschheit auf dem Planeten schön, glücklich und friedlich lebt, wunderbar aber utopisch. Die Meisten von uns, im Westen, haben Glück ihre Umgebung und ihre Mitmenschen, wenigstens teilweise, selber wählen zu dürfen. Was aber nur wenige Leute realisieren ist, dass diese Flut von Selbstoptimierungsschulen, verschiedenen religiösen- und esoterischen Bewegungen auch ein Teil von polittechnologischen Instrumenten sein können. Es ist auch bekannt, dass Menschen, die Probleme bewusst ignorieren, automatisch weniger Fragen stellen. Die Ergebnisse von dieser «positiven» Selbstoptimierung sind leider heute weltweit sichtbar geworden. Hunderte von Millionen von Menschen beobachten gleichgütig massive Ungerechtigkeiten weltweit, lächelnd und mit solchen Ausreden wie: «ich interessiere mich nicht für Politik», «Ich will es nicht wissen», «es ist alles bestimmt, es muss so sein, ich kann nichts dafür». Dabei vergessen die Menschen das wichtigste kosmische Gesetzt: das Gesetz des Freien Willens. Dieses Gesetz steht über Allem.

Wir sind dafür da, jeden Tag Entscheidungen zu treffen, die die Menschheit in eine bessere Zukunft führen. Wir sind dafür da, mit unseren bewussten Entscheidungen diese Welt besser zu machen. Es betrifft alle unsere Lebensbereiche: was wir Essen, was wir tragen, wie wir reisen, wie wir uns gegenüber den anderen benehmen, was wir sagen und wie wir es sagen.

Es ist eine freie Entscheidung, im Restaurant ein argentinisches Steak (welche ethisch, ökologisch und gesundheitlich ziemlich fragwürdig ist) oder z.B. Pasta Genovese zu bestellen.
Es ist eine freie Entscheidung, sich mit Essen vollstopfen und schlussendlich mit 50 an Diabetes oder wegen massivem Übergewicht an einen Herzinfarkt zu sterben.
Es ist eine freie Entscheidung, nach dem Picknick im Wald die Plastikabfälle liegen zu lassen oder diese bis zum nächsten Müllkübel mitzunehmen.

Es ist unsere Entscheidung, ob wir mit unserem nächsten Handtaschenkauf das Geld den reichsten Modekonzernen der Welt übergeben oder eine kleine Designer-Boutique unterstützen.
Schlussendlich ist es auch eine freie Entscheidung den Mount-Everest zu besteigen und höchstwahrscheinlich, ohne Rücksicht auf die Angehörigen, dort zu sterben.
Ein Soldat, der unfreiwillig in den Krieg geschickt wird, entscheidet auch selber, ob er in die Menschen oder in die Luft schiesst.

Als ganzheitlich-psychologischer Coach und auch als Gesundheitscoach beobachte ich eine gewisse Tendenz. Der grösste Teil meiner Klienten mit Gesundheitsproblemen verhalten sich oft, aus meiner Sicht, respektlos, gegenüber dem Leben. Eine Krankheit ist meistens eine Antwort unseres Körpers auf die Respektlosigkeit ihm gegenüber. Ein Klimawandel mit Hurrikans und Tsunamis ist eine Antwort unseres Planeten auf unsere Respektlosigkeit ihm gegenüber. Ein dauerndes Gefühl der Einsamkeit ist oft eine Antwort auf eine innere Respektlosigkeit Menschen gegenüber.

Einmal hatte ich eine «Wiederholungstäterin» als Kundin. Ewig einsam, alles läuft schief, die ganze Welt ist schuld an ihren Problemen, keine Interessen und das seit Jahren. Irgendwann habe ich sie gefragt: «Wenn du dich nicht für das Leben interessierst, warum soll sich das Leben für dich interessieren?». Da sie es noch nie aus diesem Blickwinkel betrachtet hat, wurde sie sehr nachdenklich.

Vielleicht sollen wir alle unser Leben etwas kritischer betrachten, bevor wie jammern, dass etwas schiefläuft? Vielleicht, bevor wir andere für unsere Probleme verantwortlich machen, lohn es sich zu fragen, was habe ich falsch gemacht?  

Wir sollen das Leben mit allen ihren Facetten respektieren. Wir dürfen nicht lächelnd wegschauen, wenn in unsere Nähe Ungerechtigkeit passiert. Die Aussage wie «Ich mache was ich will» hat keine Berechtigung, vor allem, weil wir tief in Innersten wissen, dass unsere Taten langfristig negative oder positive Folgen auf unsere Mitmenschen und unsere Umwelt haben. 

Immerhin sollen wir den Planeten Erde mit einer möglichst psychisch und physisch gesunden Gesellschaft unseren Kindern hinterlassen.     

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Ruslana Tscheligi

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