Du hast nicht zu wenig Zeit – sondern zu wenig Klarheit - womenbiz

Du hast nicht zu wenig Zeit – sondern zu wenig Klarheit

Veröffentlicht am 25. Mai 2026

Autorin: Sina Odermatt

Ich sage es ehrlich: Zeitmanagement, Pausen und Erholung waren früher nicht meine Stärke. Eher so die Kategorie «Ich bin beschäftigt, aber nie wirklich fertig». Vielleicht kennst du das.

Heute sehe ich mich nicht als perfekte Expertin, sondern als Expertin aus Erfahrung. Denn für mich ist Zeitmanagement heute Teil von Selbstführung.

Zeitmanagement ist kein hübsches «Me-Time»-Thema. Es zeigt dir ziemlich direkt, wie du tickst: deine Muster, deine Prioritäten und deine Selbstführung und manchmal auch sehr ungeschminkt, wo wir uns im Alltag selbst verlieren und nicht mehr führen.

«Ich habe keine Zeit» – wirklich?

Eine der wichtigsten Fragen für mich, die ich mir irgendwann begonnen habe zu stellen, ist: Ist Zeit für dich Ursache oder Wirkung? (Stopp hier kurz und überleg es dir.)

Viele sagen: «Ich hatte keine Zeit», und damit wird «keine Zeit» zur Ursache und du bist scheinbar machtlos, etwas zu ändern. Ich sehe das heute anders: «Keine Zeit» ist eine Wirkung. Eine Wirkung von zu vielen Jas, von unklaren Prioritäten, davon, dich selbst hintenanzustellen oder es allen recht machen zu wollen.

Wenn du diesen Perspektivwechsel machst, passiert etwas Entscheidendes: Du kommst aus dieser Ohnmacht raus und bekommst wieder einen Hebel in die Hand. Du kannst hinschauen, was wirklich dahinter liegt, was wirklich die Ursache ist.

Reflexionsfrage: Wo sagst du aktuell «Ich habe keine Zeit» und was wäre die ehrlichere Aussage dahinter?

Tipp: Ersetze für eine Woche bewusst den Satz „Ich habe keine Zeit» durch «Es ist mir gerade nicht wichtig genug» und beobachte, was das mit dir macht.

Der Eisberg unter deinem Kalender

Zeitmanagement hat für mich zwei Ebenen: die sichtbare und die unsichtbare.

Sichtbar sind deine To-dos, Termine, Deadlines und all die Tools, mit denen du deinen Alltag organisierst. (Ich arbeite übrigens mit dem Kanban-System «Trello» und bin sehr happy damit).

Unsichtbar ist das, was alles steuert: deine Werte, deine inneren Überzeugungen und deine unbewussten Muster. Und genau diese Werte bestimmen, wie du deinen Tag bewusst oder unbewusst gestaltest. Wenn du nicht weisst, was dir wirklich wichtig ist, priorisierst du vor allem nach Dringlichkeit, nach Erwartungen von aussen oder danach, wer gerade am lautesten ruft – die Kinder, der Partner, die Kunden… Dann fühlt sich dein Leben schnell fremdgesteuert an, obwohl es eigentlich dein Business ist. (Dein Business, deine Regeln).

Wenn du deine Werte kennst, verändert sich dein Alltag automatisch. Ist zum Beispiel Gesundheit einer deiner wichtigsten Kernwerte, bekommt sie Platz, nicht «wenn noch Zeit bleibt», sondern bewusst gesetzt.

Ich habe für mich z.B. entschieden, Kundentermine erst ab 10 Uhr zu terminieren, weil ich weiss, wann meine Energie mir gehört. Und ja, früher wollte ich immer verfügbar sein, weil ich dachte, das sei professioneller. Heute weiss ich: Klarheit wirkt stärker auf Kunden als ständige Anpassung. Je klarer du bist, desto klarer werden auch die richtigen Menschen zu dir finden.

Reflexionsfrage: Welche drei bis vier Werte sind dir wirklich wichtig und spiegeln sie sich sichtbar in deinem Kalender wider?

Tipp: Plane eine Woche lang bewusst Termine so, dass mindestens einer deiner Kernwerte jeden Tag aktiv gelebt wird.

Zeitmanagement ist Energiemanagement

Du kannst deinen Tag perfekt planen, wenn deine Energie nicht passt, bringt es trotzdem nichts.

Ich arbeite zum Beispiel in Sprints: ein bis zwei Stunden Fokus, dann Pause. Wie eine Powerbank, die entweder im Einsatz ist oder am Aufladen. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Früher habe ich versucht durchzuziehen, möglichst effizient, möglichst lange, möglichst viel. Heute weiss ich: Meine Produktivität entsteht genau wegen der Pausen.

Vielleicht bist du ganz anders unterwegs, eher konstant oder sehr gleichmässig in deiner Energie. Wichtig ist nicht, welches Modell «richtig» ist, sondern dass du dein eigenes kennst. Mir hat dabei auch mein «Human Design Energie-Typ» geholfen, mich besser zu verstehen.

Ich bin Projektorin im Human Design – für mich sind diese Pausen zwischen den Sprints sehr wichtig. Vielleicht kennst du dein Human Design bereits, vielleicht nicht, aber die entscheidende Frage bleibt: Arbeitest du mit deiner natürlichen Energie oder gegen sie?

Reflexionsfrage: Zu welchen Tageszeiten bist du wirklich in deiner Kraft und planst du deine wichtigsten Aufgaben in diese Phasen?

Tipp: Beobachte dich ein paar Tage lang bewusst: Wann bist du fokussiert, wann erschöpft? Und passe danach deinen Tag an… nicht umgekehrt.

Pausen, die wirklich Pausen sind

Wie sehen deine Pausen aus?

Scrollen fühlt sich oft wie eine Pause an, ist aber keine echte Erholung für unser Nervensystem bzw. für unser Gehirn, weil unser Kopf weiterhin im Input-Modus bleibt, weiterhin im Sympathikus (Fight, Flight, Freeze-Modus).

Echte Pausen regenerieren. Das kann ein Spaziergang ohne Handy sein, ein paar Minuten mit geschlossenen Augen, einfach hinlegen und nichts tun oder bewusstes Atmen ohne Ablenkung.

Ich habe begonnen, meine Pausen wirklich bewusst zu gestalten, manchmal sogar zu planen (gelingt mir auch nicht immer😉). Und spannend ist: Deine Pausen zeigen dir viel über dich.

Kannst du dich zum Beispiel beim Mittagessen mit ArbeitskollegInnen wirklich auch mal rausnehmen oder bleibst du innerlich im Business-Modus, weil du dich verpflichtet fühlst, immer dabei zu sein? Oft stecken dahinter Glaubenssätze wie «Ich muss dazugehören», sonst verpasse ich etwas oder werde weniger gesehen. Auch das ist Selbstführung, diese Muster zu erkennen und nicht einfach weiter automatisch zu leben.

Reflexionsfrage: Wann hattest du das letzte Mal eine Pause, nach der du dich wirklich erholt gefühlt hast, nicht nur beschäftigt? Was war da anders?

Tipp: Plane morgen eine Pause ohne Handy ein, auch wenn es nur 10 Minuten sind, und spüre bewusst nach, was sich verändert.

Erholung ist Teil deiner Leistung

Für mich bedeutet Erholung: Entspannung, Loslassen, nicht noch mehr leisten. Massage, Yoga, Beine hochlagern, einfach sein… so tanke ich auf.

Vielleicht ist es bei dir genau anders und du brauchst Bewegung, Sport oder Aktivität, um dich zu regulieren. Beides ist richtig, solange es wirklich zu dir passt und nicht aus einem Vergleichen heraus entsteht.

Ich sehe mich dabei gerne wie eine Spitzensportlerin. Und Spitzensportlerinnen planen Erholung nicht als «wenn noch Zeit übrig ist», sondern als festen Bestandteil ihrer Leistung. Erholung ist nicht die Belohnung nach dem Wettkampf, sie ist Teil der Vorbereitung. Vor wichtigen Workshops plane ich bewusst Erholung ein. Mein wichtigster Shift war dabei dieser Satz: Erholung ist nicht die Belohnung für starke Leistung – sie ist die Voraussetzung dafür.

Reflexionsfrage: Was bedeutet echte Erholung für dich und lebst du sie bereits oder verschiebst du sie ständig auf «irgendwann»?

Tipp: Behandle deine Erholung wie einen fixen Business-Termin, nicht als Belohnung, sondern als Voraussetzung.

Am Ende ist es eine Entscheidung

Zeitmanagement, Pausen und Erholung sind keine hübschen Tools, die man einfach optimiert. Es ist eine innere Haltung, die entstehen darf. Die Entscheidung, dich selbst ernst zu nehmen, deine Energie zu respektieren und deine Werte wirklich zu leben statt sie nur zu kennen.

Und vielleicht auch die Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, statt dich hinter «keine Zeit» zu verstecken. Denn dein Kalender macht nur das, was du ihm vorgibst. Die Frage ist also nicht, ob wir Zeit haben, sondern wofür wir uns entscheiden.


Über die Autorin

Sina Odermatt ist Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, mit Fokus auf Self- und Mindful Leadership sowie Achtsamkeit. Als langjährige Trainerin begleitet sie Führungskräfte, Teams und Privatpersonen dabei, Selbstführung, Klarheit und mentale Stärke zu entwickeln.

Ihre Arbeit verbindet fundiertes Wissen mit einer grossen Portion Intuition und eigener Lebenserfahrung. Dabei steht für sie ein bodenständiger, menschlicher Zugang im Mittelpunkt, der echte Entwicklung ermöglicht. 2025 hat sie die Self Leadership Academy gegründet.

Sina Odermatt – empowering people
Sina Odermatt

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