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Bildung macht stark!

Veröffentlicht am 30. Juli 2021

Autorinnen: Angela Wurzel / Margarethe Multerer

Menschenbildung – Ästhetische Bildung versus Schulbildung

Wie funktioniert tatsächliche Bildung? Und, warum steht eine Lehrperson vor der Klasse? Erinnern Sie sich noch an Ihre Angstfächer ziemlich genau? Wie geht Lernen überhaupt?

Immer neue Erkenntnis, immer neues Wissen wird benötigt, Fortschritte werden erwartet und Neues sollte erkannt werden. Und, dürfen wir noch das alte Wissen verwenden? Dürfen wir auf alte Erfahrungen zurückschauen? Wie sieht es mit dem ganzheitlichen Lernen und Wissen aus? Welche Zukunftsvisionen könnten wir dazu ansteuern? Und, welchen Erfahrungsschatz könnten wir dafür verfügbar machen? Wir leben in einer Welt mit vielen großartigen Möglichkeiten der Vermittlung von Informationen.

Nach Daniel Goeudevert ist Bildung[1] […] ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess, in dessen glücklichem Verlauf eine selbständige und selbsttätige, problemlösungsorientierte und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann. Es geht also um Wissensvermittlung und das Sich-Bilden in der Persönlichkeit.

Die heutige Idee von Bildung ist in unserem neoliberalen System an Ideen von Selbstoptimierung gekoppelt. Menschen werden ausgebildet, um in unserer Leistungsgesellschaft gut zu funktionieren und um im Konkurrenzkampf mitzuhalten, indem der Erfolg vor allem an der Höhe des Gehalts gemessen wird. „Wenn man ein Team nicht mit zwei Pizzas satt bekommen kann, ist es zu groß.“[2] (Jeff Bezos, Gründer von Amazon).

Die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen wird zudem oftmals durch Selbstoptimierung über verschiedene Konsumkanäle (bewusst) trainiert. Die gesellschaftlichen Veränderungen und der Wertewandel beeinflussen die Grundhaltung der Menschen und erzeugen besonders in dieser Zeit womöglich ein Bild der Verunsicherung. In der Regelschule hat das Lernen häufig sehr wenig mit Bildung zu tun. Hier geht es um Effizienz und das Modell des (harten) Wettbewerbs, wie in den Bereichen Arbeit und Wirtschaft. Die Bewertung der Leistung durch Noten steht im Vordergrund. Viel Stoff muss ins Kurzzeitgedächtnis gepaukt werden, der in der nächsten Klausur abgefragt und bewertet und danach meist wieder vergessen wird. Lernen um der Note Willen. Die Lebensbedingungen insbesondere von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewegen sich häufig zwischen den Spannungsfeldern der Über- und Unterforderung. Aus nachvollziehbaren Gründen wird das „sich durchmogeln“ für eine möglichst gute Note geübt.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bildung
[2] https://www.oberlo.de/blog/motivationsspruche

Folglich ist das Gelernte oft bedeutungslos. Der persönlichkeitswirksame Erkenntnisgewinn bleibt aus. „Liefere immer mehr als erwartet.“[3] – sagte einst Larry Page (Mitbegründer von Google). Intrinsisches Lernen, das den Schülern*innen eine Handlungsproblematik gibt und die natürliche Entdeckerfreude weckt, bleibt dabei weitgehend auf der Strecke. Nach Professor Gerald Hüther, Neurobiologe, springt im Kopf das Glückszentrum immer dann an, wenn wir etwas Positives und Neues erleben, was wir bisher nicht wussten. Aus Erkenntnissen der Gehirnforschung weiß man, dass sich die Art der Emotionen massiv auf das Lernen auswirkt. Gute und schlechte Emotionen sorgen dafür, dass aus dem Strom des Erlebens einzelne Erlebnisse hervorgehoben und behalten werden. Der Gehirnforscher Professor Manfred Spitzer erklärt, dass Lernen und Glück ganz eng zusammenhängen. Lernt der Mensch mit Angst, kommt unwillkürlich beim Abrufen des Wissens immer auch Angst hervor. Angst lähmt und hemmt die Kreativität. Kreativität aber ist die Voraussetzung, um unser Wissen einzusetzen und um Aufgaben zu lösen. Angst hat im Unterricht nichts zu suchen. Nachhaltiges Lernen (in jedem Alter!) braucht Gestaltungsräume, in denen der Einzelne sich gesehen und anerkannt weiß, es sollte Freude machen und begeistern. Wir brauchen positive Emotionen.

Unser Motto im LERNFORUM heißt: „Bildung macht stark!“

Wir alle geben unser Bestes, um unsere Schüler*innen darin zu unterstützen, starke und selbstbewusste Persönlichkeiten zu werden. Als Moderatoren*innen und Unterstützer*innen setzen wir uns dafür ein, gelungene Partizipationsprozesse dialogisch zu gestalten, um die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei ihren Kompetenzbewältigungen zu fördern. Nach unserer Auffassung bedeutet Bildung, den Menschen zu zeigen, dass es wichtig ist, sich kritisch mit Themen auseinanderzusetzen, dass sie Inhalte verstehen lernen und sie in Beziehung setzen zu sich selbst, zu ihrem Umfeld und zur Welt. Es ist essentiell für ihr Leben und die Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit, dass sie Dinge hinterfragen, ein kritisches Bewusstsein entwickeln und fähig werden zu reflektieren.

Zu einer umfassenden Bildung gehört unbedingt auch die Kulturelle Bildung, in deren Gestaltungsgebieten Musik, Bildende Kunst, Tanz und Theater das kognitive, emotionale und soziale Lernen mit allen Sinnen ermöglicht wird. In kulturellen Bildungsangeboten setzen sich die Menschen mit Entwicklung eigener Lebensentwürfe, eigener Identität und der Gesellschaft auseinander.

Ergänzend zur schulischen Bildung sehen wir in unserer theaterpädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein ideales Erfahrungsfeld für ganzheitliches und projektbezogenes Lernen. Theaterpädagogik ist Bildungsvermittlung mit den Mitteln des Theaters. Gerade die intergenerationellen Formate sind Begegnungen, wo Menschen sich in spielerischen Übungen und im Theaterspielen in der Gruppe mit Freude entfalten dürfen. Die Schlüsselkompetenzen wie Kreativität, Phantasie, Eigenverantwortung und soziale Kompetenz, Flexibilität, Ausdrucksmöglichkeiten und Selbstbewusstsein wirken sich sowohl positiv auf die Persönlichkeit aus als auch sehr hilfreich für das schulische Lernen.


[3] https://www.oberlo.de/blog/motivationsspruche

Theaterpädagogik fördert die Selbstwirksamkeit und die Persönlichkeitsentwicklung und ist geeignet für alle Altersgruppen. In unserer Zukunftswerkstatt begegnen Kinder, Jugendliche und Erwachsene verschiedenen Phänomenen wie Kritikphase, Kreativitätsphase und/oder Realisierungsphase. Hier dürfen sie ein wertschätzendes Miteinander leben, das möglichst vielfältige Lebenswelten und Erfahrungen einschließt. In den Experimentierräumen, in denen sie sich austauschen und künstlerisch agieren, steht ihre Selbstermächtigung und Partizipation durch die Kunst im Mittelpunkt. In einer wertschätzenden Atmosphäre entdecken die Menschen ihre Lebendigkeit und Spiel- und Lebensfreude und wachsen über sich selbst hinaus. Wir alle verstehen uns als Lernende – ein Leben lang.

„Wo Menschen zusammenkommen, muss man mit Wundern rechnen“, sagte einst Hannah Arendt. Schulische Bildung und ästhetische Bildung in Form von Theaterspielen sind kein Widerspruch, sondern sollten als zwei Seiten einer Medaille verstanden werden. Darüber hinaus laden wir die Multiplikatoren aller Art – aus Bildung, Gesellschaft, Lehre, Politik, Wirtschaft – dazu ein, die Verdichtung der Zusammenarbeit aller Bildungsbereiche enger anzustreben und zu unterstützen, um damit eine zugängliche und verlässliche Bildung für alle zu ermöglichen. Zusammenarbeitsmöglichkeiten statt Wettbewerbsgefühl lautet unser zweites Motto. Wir wünschen uns forever learning mit Kopf, Herz und Hand, mit Fehlerfreundlichkeit und Freiwilligkeit, mit Diversität, Antidiskriminierung und Inklusion. Forever learning mit Begeisterung und Leidenschaft für die Entdeckung und Weiterentwicklung von Begabungen und Talenten – ohne Noten – für hier und jetzt und für die Zukunft. Für jeden einzelnen Akteur und jede einzelne Akteurin – individuell und kollektiv. Nachhaltigkeit ist für uns neben der Qualität der wichtigste Punkt für ein ganzheitliches Lernen. Lasst uns die Zukunft der Bildung gemeinsam verhandeln.

#Alles, was du liebst – tue es!

Angela und Margarethe
Lernforum Obertshausen
Juli 2021

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