Mai 2026 - womenbiz
Du hast nicht zu wenig Zeit – sondern zu wenig Klarheit

Autorin: Sina Odermatt

Ich sage es ehrlich: Zeitmanagement, Pausen und Erholung waren früher nicht meine Stärke. Eher so die Kategorie «Ich bin beschäftigt, aber nie wirklich fertig». Vielleicht kennst du das.

Heute sehe ich mich nicht als perfekte Expertin, sondern als Expertin aus Erfahrung. Denn für mich ist Zeitmanagement heute Teil von Selbstführung.

Zeitmanagement ist kein hübsches «Me-Time»-Thema. Es zeigt dir ziemlich direkt, wie du tickst: deine Muster, deine Prioritäten und deine Selbstführung und manchmal auch sehr ungeschminkt, wo wir uns im Alltag selbst verlieren und nicht mehr führen.

«Ich habe keine Zeit» – wirklich?

Eine der wichtigsten Fragen für mich, die ich mir irgendwann begonnen habe zu stellen, ist: Ist Zeit für dich Ursache oder Wirkung? (Stopp hier kurz und überleg es dir.)

Viele sagen: «Ich hatte keine Zeit», und damit wird «keine Zeit» zur Ursache und du bist scheinbar machtlos, etwas zu ändern. Ich sehe das heute anders: «Keine Zeit» ist eine Wirkung. Eine Wirkung von zu vielen Jas, von unklaren Prioritäten, davon, dich selbst hintenanzustellen oder es allen recht machen zu wollen.

Wenn du diesen Perspektivwechsel machst, passiert etwas Entscheidendes: Du kommst aus dieser Ohnmacht raus und bekommst wieder einen Hebel in die Hand. Du kannst hinschauen, was wirklich dahinter liegt, was wirklich die Ursache ist.

Reflexionsfrage: Wo sagst du aktuell «Ich habe keine Zeit» und was wäre die ehrlichere Aussage dahinter?

Tipp: Ersetze für eine Woche bewusst den Satz „Ich habe keine Zeit» durch «Es ist mir gerade nicht wichtig genug» und beobachte, was das mit dir macht.

Der Eisberg unter deinem Kalender

Zeitmanagement hat für mich zwei Ebenen: die sichtbare und die unsichtbare.

Sichtbar sind deine To-dos, Termine, Deadlines und all die Tools, mit denen du deinen Alltag organisierst. (Ich arbeite übrigens mit dem Kanban-System «Trello» und bin sehr happy damit).

Unsichtbar ist das, was alles steuert: deine Werte, deine inneren Überzeugungen und deine unbewussten Muster. Und genau diese Werte bestimmen, wie du deinen Tag bewusst oder unbewusst gestaltest. Wenn du nicht weisst, was dir wirklich wichtig ist, priorisierst du vor allem nach Dringlichkeit, nach Erwartungen von aussen oder danach, wer gerade am lautesten ruft – die Kinder, der Partner, die Kunden… Dann fühlt sich dein Leben schnell fremdgesteuert an, obwohl es eigentlich dein Business ist. (Dein Business, deine Regeln).

Wenn du deine Werte kennst, verändert sich dein Alltag automatisch. Ist zum Beispiel Gesundheit einer deiner wichtigsten Kernwerte, bekommt sie Platz, nicht «wenn noch Zeit bleibt», sondern bewusst gesetzt.

Ich habe für mich z.B. entschieden, Kundentermine erst ab 10 Uhr zu terminieren, weil ich weiss, wann meine Energie mir gehört. Und ja, früher wollte ich immer verfügbar sein, weil ich dachte, das sei professioneller. Heute weiss ich: Klarheit wirkt stärker auf Kunden als ständige Anpassung. Je klarer du bist, desto klarer werden auch die richtigen Menschen zu dir finden.

Reflexionsfrage: Welche drei bis vier Werte sind dir wirklich wichtig und spiegeln sie sich sichtbar in deinem Kalender wider?

Tipp: Plane eine Woche lang bewusst Termine so, dass mindestens einer deiner Kernwerte jeden Tag aktiv gelebt wird.

Zeitmanagement ist Energiemanagement

Du kannst deinen Tag perfekt planen, wenn deine Energie nicht passt, bringt es trotzdem nichts.

Ich arbeite zum Beispiel in Sprints: ein bis zwei Stunden Fokus, dann Pause. Wie eine Powerbank, die entweder im Einsatz ist oder am Aufladen. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Früher habe ich versucht durchzuziehen, möglichst effizient, möglichst lange, möglichst viel. Heute weiss ich: Meine Produktivität entsteht genau wegen der Pausen.

Vielleicht bist du ganz anders unterwegs, eher konstant oder sehr gleichmässig in deiner Energie. Wichtig ist nicht, welches Modell «richtig» ist, sondern dass du dein eigenes kennst. Mir hat dabei auch mein «Human Design Energie-Typ» geholfen, mich besser zu verstehen.

Ich bin Projektorin im Human Design – für mich sind diese Pausen zwischen den Sprints sehr wichtig. Vielleicht kennst du dein Human Design bereits, vielleicht nicht, aber die entscheidende Frage bleibt: Arbeitest du mit deiner natürlichen Energie oder gegen sie?

Reflexionsfrage: Zu welchen Tageszeiten bist du wirklich in deiner Kraft und planst du deine wichtigsten Aufgaben in diese Phasen?

Tipp: Beobachte dich ein paar Tage lang bewusst: Wann bist du fokussiert, wann erschöpft? Und passe danach deinen Tag an… nicht umgekehrt.

Pausen, die wirklich Pausen sind

Wie sehen deine Pausen aus?

Scrollen fühlt sich oft wie eine Pause an, ist aber keine echte Erholung für unser Nervensystem bzw. für unser Gehirn, weil unser Kopf weiterhin im Input-Modus bleibt, weiterhin im Sympathikus (Fight, Flight, Freeze-Modus).

Echte Pausen regenerieren. Das kann ein Spaziergang ohne Handy sein, ein paar Minuten mit geschlossenen Augen, einfach hinlegen und nichts tun oder bewusstes Atmen ohne Ablenkung.

Ich habe begonnen, meine Pausen wirklich bewusst zu gestalten, manchmal sogar zu planen (gelingt mir auch nicht immer😉). Und spannend ist: Deine Pausen zeigen dir viel über dich.

Kannst du dich zum Beispiel beim Mittagessen mit ArbeitskollegInnen wirklich auch mal rausnehmen oder bleibst du innerlich im Business-Modus, weil du dich verpflichtet fühlst, immer dabei zu sein? Oft stecken dahinter Glaubenssätze wie «Ich muss dazugehören», sonst verpasse ich etwas oder werde weniger gesehen. Auch das ist Selbstführung, diese Muster zu erkennen und nicht einfach weiter automatisch zu leben.

Reflexionsfrage: Wann hattest du das letzte Mal eine Pause, nach der du dich wirklich erholt gefühlt hast, nicht nur beschäftigt? Was war da anders?

Tipp: Plane morgen eine Pause ohne Handy ein, auch wenn es nur 10 Minuten sind, und spüre bewusst nach, was sich verändert.

Erholung ist Teil deiner Leistung

Für mich bedeutet Erholung: Entspannung, Loslassen, nicht noch mehr leisten. Massage, Yoga, Beine hochlagern, einfach sein… so tanke ich auf.

Vielleicht ist es bei dir genau anders und du brauchst Bewegung, Sport oder Aktivität, um dich zu regulieren. Beides ist richtig, solange es wirklich zu dir passt und nicht aus einem Vergleichen heraus entsteht.

Ich sehe mich dabei gerne wie eine Spitzensportlerin. Und Spitzensportlerinnen planen Erholung nicht als «wenn noch Zeit übrig ist», sondern als festen Bestandteil ihrer Leistung. Erholung ist nicht die Belohnung nach dem Wettkampf, sie ist Teil der Vorbereitung. Vor wichtigen Workshops plane ich bewusst Erholung ein. Mein wichtigster Shift war dabei dieser Satz: Erholung ist nicht die Belohnung für starke Leistung – sie ist die Voraussetzung dafür.

Reflexionsfrage: Was bedeutet echte Erholung für dich und lebst du sie bereits oder verschiebst du sie ständig auf «irgendwann»?

Tipp: Behandle deine Erholung wie einen fixen Business-Termin, nicht als Belohnung, sondern als Voraussetzung.

Am Ende ist es eine Entscheidung

Zeitmanagement, Pausen und Erholung sind keine hübschen Tools, die man einfach optimiert. Es ist eine innere Haltung, die entstehen darf. Die Entscheidung, dich selbst ernst zu nehmen, deine Energie zu respektieren und deine Werte wirklich zu leben statt sie nur zu kennen.

Und vielleicht auch die Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, statt dich hinter «keine Zeit» zu verstecken. Denn dein Kalender macht nur das, was du ihm vorgibst. Die Frage ist also nicht, ob wir Zeit haben, sondern wofür wir uns entscheiden.


Über die Autorin

Sina Odermatt ist Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, mit Fokus auf Self- und Mindful Leadership sowie Achtsamkeit. Als langjährige Trainerin begleitet sie Führungskräfte, Teams und Privatpersonen dabei, Selbstführung, Klarheit und mentale Stärke zu entwickeln.

Ihre Arbeit verbindet fundiertes Wissen mit einer grossen Portion Intuition und eigener Lebenserfahrung. Dabei steht für sie ein bodenständiger, menschlicher Zugang im Mittelpunkt, der echte Entwicklung ermöglicht. 2025 hat sie die Self Leadership Academy gegründet.

Sina Odermatt – empowering people
Sina Odermatt

Webseite: sinaodermatt.ch
Email: hello@uniquely-you.ch
Telefon: +41 79 438 34 29

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Delegieren lernen: Mehr Fokus, Freiheit & Wachstum

Alleine bist du nicht effizient – du bist die Bremse

Wenn du alles selbst machst, bist du nicht effizient – du bist die Bremse in deinem eigenen Business. Klingt hart? Ist aber genau das, was ich immer wieder sehe.

Ich sage es oft: «Fokussiere dich auf dein Potenzial – und delegiere den Rest.» Und trotzdem höre ich ständig: «Ich weiss, ich sollte mehr delegieren… aber…»

Da ist diese Hemmschwelle. Die Unsicherheit. Die Fragen: Wie finde ich die richtige Person? Kann ich wirklich vertrauen?

Genau das hat mich dazu bewogen, diesen Text zu schreiben.

Mein Start mit Delegieren

Ich war nie der Typ, der alles selbst machen wollte. Ich wusste früh: Wenn ich wachsen will, muss ich delegieren.

Der Impuls kam unter anderem durch das Buch «Die 4-Stunden-Woche» von Tim Ferris. Gelesen – gehört – umgesetzt. Gestartet habe ich für womenbiz mit einer virtuellen Assistenz.

Was soll ich überhaupt delegieren?

Diese Frage höre ich sehr oft.

Mach eine einfache Übung: Nimm dir eine Woche Zeit und schreibe jede einzelne Aufgabe auf, die du machst. Wirklich alles.

Und dann geh diese Liste durch und frage dich ehrlich:
Muss ich das wirklich selbst machen?
Oder könnte das jemand anderes genauso gut – oder sogar besser?

So bekommst du Klarheit, was du alles delegieren kannst.

Und dann: Starte klein. Nimm eine klare, eher einfache Aufgabe und gib sie ab.

Du wirst sehr schnell merken, ob die Zusammenarbeit passt. Und genau das gibt dir das Vertrauen und den Mut, Schritt für Schritt mehr zu delegieren.

Ich habe selbst genau so begonnen – mit 10 Stunden im Monat. Ehrlich gesagt: Ich war überzeugt, dass ich diese 10 Stunden gar nicht füllen kann.

Heute gebe ich natürlich deutlich mehr ab. Aber dieser erste Schritt hat alles verändert. Er hat die Schwelle gesenkt – und genau so hat bei mir alles begonnen.

Warum Delegieren dein Wachstum beschleunigt

Heute arbeite ich mit einem virtuellen Team, das in vielen Bereichen besser ist als ich. Genau das ist der Punkt. Ich gebe bewusst Aufgaben ab, die mir Energie rauben oder nicht meinen Stärken entsprechen. So halte ich mein Energielevel hoch, die Qualität der Leistungen ist besser – und aus dieser Klarheit entsteht Wachstum.

Was sich konkret verändert hat

Ich habe mehr Zeit. Aber vor allem mehr mentale Freiheit. Ich bin nicht mehr im Dauer-Doing, sondern in der Führung. Ich treffe Entscheidungen, entwickle Ideen und arbeite an meinem Business – nicht nur darin.

Delegieren ist ein Prozess – kein Quick Fix

Gute Zusammenarbeit entsteht nicht einfach. Sie wird aufgebaut. Delegieren ist ein Prozess. Ein Training.

Du musst lernen, klar zu kommunizieren, Aufgaben zu strukturieren und Erwartungen zu formulieren. Und du musst bereit sein, dein Gegenüber zu verstehen – und ihm gleichzeitig die Chance geben, dich zu verstehen.

Am Anfang geht es darum, sich kennenzulernen: Wie tickst du? Wie arbeitet dein Team? Was ist dir wichtig? Vertrauen entsteht nicht über Nacht – aber es wächst, wenn du dranbleibst.

Kommunikation entscheidet über Erfolg oder Frust

Ein zentraler Punkt ist die Kommunikation. Einigt euch bewusst auf Kanäle und Abläufe: Wann wird über was kommuniziert? Wie schnell wird reagiert? Welche Tools nutzt ihr?

Und ganz wichtig: Geh immer davon aus, dass dein Team sein Bestes gibt. Diese Haltung verändert alles. Sie schafft Vertrauen – und genau daraus entsteht Qualität.

Führen auf Distanz: So funktioniert virtuelle Zusammenarbeit

Virtuelle Zusammenarbeit bedeutet auch, über Distanz zu führen. Regelmässige Meetings – zum Beispiel über Zoom – sind deshalb entscheidend. Nicht nur für Aufgaben, sondern auch für die Beziehung. Zeig echtes Interesse am Menschen hinter der Leistung – auch im virtuellen Setting.

Ich arbeite seit über 12 Jahren mit virtueller Assistenz. Viele meiner Teammitglieder begleiten mich seit Jahren. Diese Stabilität ist unbezahlbar. Sie kennen mein Business, denken mit und tragen mit.

Wenn Delegieren wirklich zählt

Und es gibt Momente im Leben, in denen einem bewusst wird, wie wertvoll das wirklich ist. Vor ein paar Monaten ist meine Mama gestorben. In dieser Zeit hat mein Team mir nicht nur Arbeit abgenommen – sie haben mir den Raum gegeben, vor ihrem Tod viel Zeit mit ihr zu verbringen und danach zu trauern.

Sie haben mein Business mitgetragen, als ich es selbst nicht konnte. Dafür bin ich zutiefst dankbar.

Die richtigen Menschen im Team zu haben, ist nicht selbstverständlich. Aber wenn du sie findest, verändert es alles – geschäftlich und menschlich.

Die Zusammenarbeit hat mir nicht nur Arbeit abgenommen. Sie hat mir Raum gegeben – für meine Vision, für mein Potenzial und für das, was im Leben wirklich zählt.

Wenn du wachsen willst, hör auf, alles selbst zu machen. Fokussiere dich auf dein Potenzial – und delegiere den Rest.

Ich wünsche dir dabei viel Freude – und ein Team, das dich wirklich trägt.

Über die Autorin

Gabrielle Cacciatore-von Mandach ist Unternehmerin mit über 37 Jahren Erfahrung im Aufbau und in der Weiterentwicklung von Unternehmen. Als Gründerin von womenbiz, Keynote-Speakerin und Coach begleitet sie Unternehmerinnen dabei, Klarheit zu gewinnen, sichtbar zu werden und ihr Business strategisch zu führen.

Möchtest auch du dein Business mit mehr Klarheit, Präsenz und Wirkung führen? Dann könnte ein persönliches Gespräch ein kraftvoller nächster Schritt sein.

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Gaby Cacciatore-von Mandach

Webseite: womenbiz.ch
Email: info@womenbiz.ch
Telefon: +41 31 932 38 62

Starke Selbstführung: Mehr als nur ein Hype

Autorin: Brigitte Münch

Selbstführung ist die einzige Sache, die wir in unserem Unternehmen nicht delegieren können. Deshalb ist es nicht nur ein Trend-Thema, sondern eine Kernkompetenz für uns Unternehmerinnen.

Doch was heisst «Selbstführung» oder «Self-Leadership» eigentlich genau?

Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht, und das Thema ist vielschichtig. In der Flut an Meinungen und Tipps zu diesem Thema finden sich viele Missverständnisse. Oft wird Self-Leadership gleichgesetzt mit Disziplin, Routinen, Produktivität, Zeitmanagement oder deinem persönlichen Programm zur Selbst-Optimierung, manchmal auch Selbstreflexion oder Achtsamkeit. Doch darum geht es nicht – zumindest nicht nur.

Leider kann ich hier heute nur einen Artikel und kein Buch schreiben. Aber ich möchte dir gern einen Mini-Selbstführungsplan in drei Schritten mitgeben, die für mich beim Thema Selbstführung entscheidend sind – egal ob in unserem Business oder im Privatleben.

Versuchen wir eine Definition:

Selbstführung im Unternehmertum ist vor allem die Fähigkeit, sich inmitten von Komplexität selbst auszurichten, Prioritäten zu setzen und wirksam zu handeln.

Für gute Selbstführung, die unseren persönlichen Werten, Denkweisen und Zielen folgt, brauchen wir also drei entscheidende Elemente:

Klarheit, Fokus, Handeln.

Gehen wir von diesen 3 tragenden Elementen der Selbstführung aus, ergibt sich hieraus unser Mini-Plan:

1. Klarheit

Ohne Klarheit kein Fokus.
Ohne Fokus keine wirksame Handlung.

Klarheit steht also am Anfang. Sie bedeutet zu wissen:

Wofür stehe ich?
Wo will ich mit meinem Business hin?
Was ist wesentlich?
Welche Werte sind für mich nicht verhandelbar?

Das klingt simpel, ist aber nicht immer einfach zu formulieren.

Nimm dir doch einmal eine halbe Stunde Zeit und beantworte die obigen Fragen. Wie leicht fallen dir die Antworten?

Klarheit entsteht nicht zwischen E-Mails, Calls und To-do-Listen. Sie entsteht dort, wo wir innehalten, sortieren und bewusst entscheiden.

Du kannst die obigen Fragen auch herunterbrechen und beginnen, sie in greifbare Schritte zu übersetzen:

Aus diesen Fragen ergeben sich deine Prioritäten – für dieses Jahr, diesen Monat, diese Woche und sogar für diesen Tag.

2. Fokus

Über Fokus wird oft gesprochen, als ginge es vor allem um Abgrenzung:
Mehr Nein sagen, mehr Grenzen setzen.
Doch ich finde, das greift zu kurz.

Fokus heisst vor allem JA sagen:

Ja zu dem, was wichtig ist.
Ja zu deinen Werten.
Ja zur Richtung.
Ja zu Prioritäten.
Ja zu dem, was Wirkung erzielt.

Wenn Klarheit die Richtung vorgibt, hält Fokus den Kurs.

Fokus ermöglicht es uns, nicht alles gleichzeitig zu verfolgen, nicht jedem Impuls nachzugeben, nicht jedes Thema als gleich wichtig zu behandeln.

Denn wenn wir allem die gleiche Bedeutung geben, ist unser Handeln nicht mehr wirksam.

Wenn wir dagegen wissen, worauf es ankommt, sind wir weniger abgelenkt und bewegen uns zielgerichtet in die Richtung, in die wir wollen. Wir können unsere Energie auf das Wesentliche bündeln.

Daran fehlt es im Unternehmerinnen-Alltag oft – nicht wegen mangelnder Disziplin, sondern wegen zu vieler aufgeschobener Entscheidungen, ungeklärter Rollen und falscher Prioritäten.

Es lohnt sich daher zu fragen:

Definiere bewusst, was nur du tun kannst und wohin deine Energie gehen soll. Dazu sagst du JA.

3. Handeln

Mit Klarheit und Fokus kommen wir in die Umsetzung – und zwar als konsequentes Handeln entlang dessen, was zählt.

Klarheit gibt Richtung. Doch ohne Handlung bleibt sie Theorie.
Fokus hält auf Kurs. Doch ohne Umsetzung bleibt es bei guter Absicht.
Erst gezielte Handlung schafft Wirkung.

Und hier wird Selbstführung konkret:

Handlungsfähigkeit bedeutet nicht, immer maximal diszipliniert zu sein oder in blinden Aktionismus zu verfallen.

Sie bedeutet, dass wir uns trotz Unsicherheit in die von uns bestimmte Richtung bewegen, Entscheidungen treffen und in konsequente Schritte übersetzen.

Das fällt manchmal schwer. Dann empfiehlt sich ein einfaches Prinzip:

Leite aus den von dir bestimmten Prioritäten einen ganz konkreten nächsten Handlungsschritt ab – für einen überschaubaren Zeitraum.

Zum Beispiel:

Nicht: «Ich müsste strategischer arbeiten.»
Sondern: «Ich blocke jeden Mittwoch zwei Stunden nur für Strategie.»

Nicht: «Ich sollte mehr delegieren.»
Sondern: «Diese drei Aufgaben gebe ich diesen Monat ab.»

Nicht: «Ich will fokussierter arbeiten.»
Sondern: «Ich definiere pro Woche eine Priorität und eine daraus resultierende tägliche Handlung.»

Hilfreich ist auch eine regelmässige Kurskorrektur, etwa mit drei kurzen Fragen am Freitag:

Keine grosse Reflexionsübung, 10 Minuten reichen – aber sie halten dich auf Kurs.

Fazit

Starke Selbstführung ist ein Zusammenspiel aus Klarheit, Fokus und Handeln:

Klarheit gibt uns die Richtung.
Fokus bündelt unsere Energie.
Gezielte Handlung erzeugt Wirkung.

Die Bedeutung liegt nicht darin, dich selbst zu disziplinieren und zu optimieren. Sondern das Wesentliche im Blick zu haben und danach zu handeln.

Damit können wir Verantwortung bewusst tragen – für unser Business, für andere und für uns selbst. Und vielleicht ist genau das heute eine der wichtigsten Formen von Leadership.


Über die Autorin

Brigitte Münch berät mit ihrer BM Blue Mountain GmbH gründer- und familiengeführte Unternehmen in kritischen Wachstumsphasen, bei Neuausrichtungen und komplexen Veränderungen in den Bereichen Strategie, Leadership und Governance.

Ihr Fokus liegt auf der Verbindung von Unternehmensstrategien, Strukturen und den Menschen, die sie implementieren. Ausserdem ist sie als Mentaltrainerin für junge Schneesport-Athleten und zertifizierte Schweizer Skilehrerin tätig.

BM Blue Mountain GmbH
Brigitte Münch

Webseite: bm-bluemountain.com
Email: welcome@bm-bluemountain.com
Telefon: +41 76 805 353 75

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Self-Leadership mit Klarheit, Fokus und Herz

Es gibt einen Moment im Leben, in dem du realisierst: Du kannst andere noch so gut unterstützen – wenn du dich selbst nicht führst, kommst du nicht wirklich an dein Ziel.

Eine meiner Coachees hat genau das erlebt. Sie war immer da für andere. Sie war hilfsbereit, loyal und engagiert. Sie hat unterstützt und funktioniert. Doch während sie alle anderen vorwärtsgebracht hat, ist sie selbst stehen geblieben.

Wenn Helfen zum Umweg wird

Auf den ersten Blick wirkt Helfen wie eine Stärke. Und das ist es auch. Jedoch steckt oft noch mehr dahinter. Eine unbewusste Suche nach Anerkennung, Zugehörigkeit oder Wert zum Beispiel. Ein Muster.

Gemeinsam mit meiner Coachee habe ich reflektiert. Dabei wurde ihr etwas Entscheidendes bewusst: Ihr Helfen war nicht nur Stärke, sondern auch Prokrastination. Nicht das klassische Aufschieben, sondern eine viel subtilere Art – weg von sich selbst. Denn während sie sich um andere kümmerte, musste sie sich nicht mit ihren eigenen Zielen, Unsicherheiten und nächsten Schritten auseinandersetzen.

Sie hat nicht anderen zu viel geholfen, sondern sich selbst zu wenig. Dabei hat sie ihren Fokus verloren und ihre Ziele immer weiter nach hinten geschoben – bis irgendwann die anderen an ihr vorbeigezogen sind.

Self-Leadership beginnt bei der Klarheit

Self-Leadership bedeutet zu wissen, wohin du willst. Denn wenn du nicht weisst, wohin du gehst, kommst du nirgendwo an.

Wir haben deshalb zuerst an ihrer Klarheit gearbeitet:

Wir haben ihre Ziele geschärft und konkrete Schritte definiert, die sie wirklich gehen muss – konsequent und Schritt für Schritt.

Fokus ist Weglassen

Self-Leadership ist untrennbar mit Fokus verbunden. Und Fokus bedeutet immer auch: weglassen.

Hier liegt eine der grössten Herausforderungen vieler Frauen: Wir sind stark im Helfen und Unterstützen – verlieren dabei aber oft unsere eigene Richtung.

Was bringt mich wirklich vorwärts?
Und was hält mich davon ab?

Andere vorwärtszubringen kann durchaus ein Teil deiner Ziele sein – wenn nicht sogar der Fokus deines Business. Aber nicht so, dass du selbst stehen bleibst.

Self-Leadership ist innere Führung

Ich komme aus dem Springsport. Ein Satz, den viele Reiter kennen, lautet: «Wirf dein Herz übers Hindernis – und spring ihm hinterher.»

Das funktioniert nur mit absoluter Klarheit.

Self-Leadership heisst: Du führst dich zuerst innerlich – bevor du im Aussen etwas erwartest. Aufs Business übertragen heisst das:

Selbstwert entsteht durch Handlung

In der Arbeit mit meiner Coachee haben wir bei ihr selbst angesetzt. Genau hier hat sich alles verändert.

Sie hat begonnen, sich konsequenter zu fokussieren und Dinge wegzulassen, die sie bisher blockiert haben. Sie hat gelernt, sich selbst genauso wichtig zu nehmen wie andere – und ihre Zeit entsprechend aufzuteilen: ein Teil für andere, ein Teil für ihre eigenen Ziele.

Dadurch ist sie ins echte Handeln gekommen. Schritt für Schritt, klarer und konsequenter.

Sie hat begonnen, trotz Unsicherheit zu handeln – und plötzlich kam etwas zurück: Resonanz, Rückmeldungen und erste Erfolge.

Dank dieser positiven Erfahrungen steht sie heute an einem neuen Punkt in ihrem Leben: Sie reagiert nicht mehr auf das Aussen – sie führt sich selbst.


Über die Autorin

Gabrielle Cacciatore-von Mandach ist Unternehmerin mit über 37 Jahren Erfahrung im Aufbau und in der Weiterentwicklung von Unternehmen. Als Gründerin von womenbiz, Keynote-Speakerin und Coach begleitet sie Unternehmerinnen dabei, Klarheit zu gewinnen, sichtbar zu werden und ihr Business strategisch zu führen.

Möchtest auch du dein Business mit mehr Klarheit, Präsenz und Wirkung führen? Dann könnte ein persönliches Gespräch ein kraftvoller nächster Schritt sein.

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Gaby Cacciatore-von Mandach

Webseite: womenbiz.ch
Email: info@womenbiz.ch
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Den Nebel lichten: Warum Klarheit vor Fokus kommt

Autorin: Nanya Rüegg

Eine Kundin – seit 2 Jahren in der Selbstständigkeit – sass mir kürzlich gegenüber und sagte einen Satz, den ich oft höre: «Ich brauche mehr Fokus im Business. Ich verzettle mich oft im Alltag.» Sie hatte To-do-Apps ausprobiert, Time-Blocking, Deep-Work-Routinen. Ohne nachhaltigen Effekt.

Nach einer halben Stunde Gespräch war klar: Ihr Problem lag woanders. Sie hatte ein Klarheits-Problem – und das verkleidete sich als Fokus-Issue.

Und damit ist sie nicht allein.

Der Denkfehler, der dich Energie kostet

Wir leben in einer Kultur, die uns einredet, mehr Disziplin sei die Antwort. Bessere Systeme. Strengere Routinen. Doch Fokus ist immer die Folge. Die Ursache liegt davor: in deiner Klarheit. Du kannst nicht scharf stellen, was du nicht klar siehst.

Solange dein innerer Nebel dicht ist, wird jede neue Methode ihn nur kurz aufhellen – und dann wieder verschwinden lassen. Das hat mit Willensschwäche nichts zu tun. Das ist Physik des Denkens.

Drei Nebelschichten, die du lichten darfst

In meiner Arbeit mit Frauen in Führungsrollen sehe ich immer wieder dieselben drei Schichten – meist überlagern sie sich.

Klarheit ist die Basis für Self-Leadership

Self-Leadership beginnt bei einer anderen Frage als der nach besserer Organisation: Weisst du, wer du bist, was dir wichtig ist und wohin du willst? Ohne diese drei Antworten sind wir eher im Reaktions-Modus. Auf Erwartungen, auf Anfragen, auf das, was gerade laut ist. Statt aktiv zu gestalten.

Klarheit ist die Voraussetzung für jede Form von Selbstführung. Wer sich selbst führen will, muss sich zuerst sehen können.

Ein wissenschaftlich fundierter Kompass: die Positive Psychologie

Was ich dir gleich an Werkzeugen mitgebe, ruht auf einer wissenschaftlichen Grundlage: der Positiven Psychologie.

Sie beschäftigt sich mit dem gelingenden und sinnerfüllten Leben – als Ergänzung zur klassischen Psychologie, die hauptsächlich psychische Krankheiten erforscht. Sie stellt Fragen wie: Was unterscheidet diejenigen, die mit Druck, Veränderung und Verantwortung gut umgehen, von denen, die daran zerbrechen?

Eine ihrer zentralen Erkenntnisse: Menschen, die ihre Werte und Stärken kennen und entlang davon handeln, treffen Entscheidungen leichter, erleben weniger Erschöpfung und kommen häufiger in das, was die Forschung Flow nennt – jenen Zustand, in dem Arbeit sich leicht und sinnvoll anfühlt.

Klarheit über sich selbst ist ein messbarer Hebel für Energie, Entscheidungskraft und Wohlbefinden. Und genau deshalb sind die folgenden Werkzeuge wirksam. Sie übersetzen wissenschaftliche Prinzipien in den Alltag.

Drei Tools zum Ausprobieren

Für jede Nebelschicht ein konkreter Schritt – kleine Tools mit grosser Wirkung.

Gegen den äusseren Nebel: Die Input-Diät.

Wähle eine Woche lang drei Quellen, die du behältst – einen Newsletter, einen Podcast, einen Nachrichtenkanal. Alles andere pausierst du bewusst. Der Kopf wird ruhiger. Und du hörst klarer, was du selbst denkst.

Gegen den inneren Nebel: Die Werte-Hierarchie.

Ein bewährter Ansatz aus der Werte-Forschung der Positiven Psychologie: Schreibe zehn Werte auf, die dir wichtig sind. Streiche sie auf fünf zusammen. Dann auf drei. Diese drei sind ab jetzt dein Filter für die nächste schwierige Entscheidung. Frag dich konkret: Welche Option zahlt am stärksten auf diese drei Werte ein? In Momenten der Unsicherheit werden diese drei Werte dich führen – mit Entscheidungen, die aus deinem Inneren kommen.

Gegen den emotionalen Nebel: Das Angst-Inventar.

Nimm dir zehn Minuten und schreib auf, wovor du gerade konkret Angst hast – im Business, in Bezug auf Sichtbarkeit, in Bezug auf eine anstehende Entscheidung. Sei spezifisch. Statt «ich habe Angst zu scheitern» schreib: «ich habe Angst, dass meine Kundin nicht wieder bucht.» Der Hirnforscher Dan Siegel nennt dieses Prinzip «name it to tame it». Was du beim Namen nennst, verliert seine Macht. Und du gewinnst zurück, was die Angst dir vorher vernebelt hat: deine eigene Klarheit.

Klarheit ist eine Praxis

Self-Leadership heisst, dass du den Nebel ernst nimmst – und ihn regelmässig lichtest. Klarheit ist eine Praxis. Sie bleibt lebendig, solange du sie pflegst.

Wenn du das nächste Mal denkst «mir fehlt Fokus», halte einen Moment inne und frage stattdessen: Wo ist der Nebel gerade am dichtesten?

Die Antwort darauf ist oft schon der erste Schritt.


Über die Autorin

Nanya Rüegg begleitet als Life & Leadership Coach Frauen in Führungsrollen und in der Selbständigkeit dabei, Klarheit, innere Stärke und eine positive Leadership-Haltung zu entwickeln. Ihre Coaching-Arbeit verbindet 20 Jahre Erfahrung in Finance und Hospitality mit Positiver Psychologie, Positive Leadership und Neurowissenschaft.

Mit ihrem 1:1-Programm The Reset Code unterstützt sie ambitionierte Frauen, zurück zu innerer Balance und gesunder Performance zu finden.

Nanya Rüegg Coaching & Consulting
Nanya Rüegg

Webseite: nanyaruegg.com
Email: info@nanyaruegg.com

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Quellen:

Self-Leadership: Führe dich – mit Klarheit, Fokus & Stärke

Autorin: Tatjana Gaspar

Mit Self-Leadership wird eine positive, geerdete, authentische Haltung verbunden. Meist entfaltet sie sich im Zuge des Erwachsenwerdens, wenn es darum geht, den eigenen Weg zu finden, sich zu positionieren. Es beginnt bei der Begegnung mit Ängsten und Herausforderungen und ist ein lebenslanges Work in Progress.

Die grösste Karrierebremse im Leben vieler Frauen sind nicht mangelnde Qualifikation oder fehlender Einsatz. Es ist die oft gut versteckte Angst vor Sichtbarkeit, Bewertung, Ablehnung, Macht und der eigenen Grösse. Im entscheidenden Moment wird klar, ob du dich selbst führst oder ob deine Angst dich führt, ob du deine gebündelten Kompetenzen abrufen kannst oder sie hinter einer Fassade von Selbstzweifeln wegschmelzen.

Die unsichtbaren Ängste erfolgreicher Frauen

Frauen in der Businesswelt kämpfen selten mit offensichtlichen Blockaden. Die Ängste sind subtil, gesellschaftlich konditioniert und oft perfekt getarnt hinter Vorwänden.

Dahinter stehen tief verankerte Urängste:

1. Die Angst, nicht zu genügen

Trotz beeindruckender Lebensläufe fühlen sich viele Frauen innerlich wie Hochstaplerinnen. Der eigene Erfolg wird relativiert, während die vermeintliche Unzulänglichkeit überbewertet wird. Hier spielt die Erziehung eine wichtige Rolle, denn über Generationen wurde von Mädchen erwartet, dass sie brav, genügsam, still und im Hintergrund bleiben. Das hat sich fest in der weiblichen DNA verankert. Logischerweise ist es eine Herausforderung, diese Stereotypen zu überwinden.

2. Die Angst, sichtbar zu werden

Sichtbarkeit bedeutet Angriffsfläche, die eigene Verletzlichkeit wird zur Zielscheibe. Wer sich in der Businesswelt sichtbar macht, muss mit Kritik und Unfairness rechnen. Auf den sozialen Medien drohen Anfeindungen seitens einer anonymen Masse. Es braucht ein dickes Fell und eine starke Portion Selbstbewusstsein. Viele Frauen wählen darum bewusst, unter ihrem Potenzial zu fliegen, strategisch klug getarnt als Bescheidenheit.

3. Die Angst vor Ablehnung

Harmoniebedürfnis ist kein Charakterfehler, sondern ein soziales Trainingsprogramm, das wie jedes andere eine Strategie braucht, um wirksam zu sein. Im Business hat die Angst vor Ablehnung oft zur Folge: Wir harren zu lange in einer unbefriedigenden Situation aus, bis es schmerzt oder wir überrollt werden. Wir fordern zu wenig, um nicht unbescheiden herüberzukommen. Wir sagen selten Nein, um Spannungen zu vermeiden, denn wir wollen ja, dass man uns liebt und lobt für unsere Kooperation. Leider verbauen wir uns damit Chancen.

4. Die Angst vor der eigenen Stärke

Macht wird von vielen Frauen ambivalent erlebt. Erfolgreich zu sein bedeutet, Erwartungen zu verändern, Beziehungen zu verschieben und Rollenbilder zu sprengen. Macht bedeutet aber auch Geld – und «über Geld spricht man nicht» in unserer mitteleuropäischen Kultur. Bescheidenheit und Geld passen ja nicht zueinander. Für unsere Leistung einen angemessenen Lohn zu fordern, Vermögen zu bilden, sich einen grosszügigen Umgang mit dem eigenen Geld zu erlauben – das sind externe Zeichen von Stärke und Macht. Und genau das macht vielen Frauen Angst.

Verstehen, womit wir es zu tun haben

Unsere Angst ist meist irrational und diffus. Wir fürchten uns davor, dass ein bestimmtes Szenario («ES») in der Zukunft eintritt. Oft ist die Wahrscheinlichkeit, dass ES passiert, verschwindend klein. Aber unser Reptiliengehirn, das uns vor Gefahr bewahren will, unterscheidet nicht zwischen Angst vor einem systemischen Ereignis und Angst vor dem eigenen Mut.

Angst ist keine Selbstsabotage, sondern ein uralter Schutzmechanismus. Vor Tausenden von Jahren schützte sie die Menschen z.B. vor dem Säbelzahntiger. Um weniger Angst haben zu müssen, war es überlebenswichtig, in der Gruppe zu bleiben. Ausgestossen zu werden bedeutete den sicheren Tod, denn man konnte sich allein in der Wildnis nicht schützen.

Heute leben wir in einer hochentwickelten Gesellschaft, die Individualismus feiert. Aber unser Reptiliengehirn hat sich kaum weiterentwickelt und will uns immer noch vor dem sprichwörtlichen Säbelzahntiger beschützen – also vor Risiko, Worst-Case Szenario und allem Unbekannten.

Angst als inneren Kompass nutzen

Angst ist kein Stoppsignal und keine Ziellinie. Angst ist ein Wachstumssignal und ein Startloch. Dort, wo sie auftaucht, beginnt deine nächste Entwicklungsstufe. Selbstführung heisst nicht, angstfrei zu sein, sondern sich Handlungsfähigkeit einzuräumen, obwohl Angst da ist.

Der entscheidende Punkt, wo ein Perspektivenwechsel stattfinden kann, lautet deshalb:

«Ich warte nicht, bis meine Angst verschwindet. Ich werde zur Führungskraft meines eigenen inneren Systems. Ich lasse nicht die Angst Überhand nehmen, sondern die Lust auf mehr und den Mut zum ersten Schritt in Richtung meines Ziels.»

Wie du deine Angst überwindest

1. Klarheit

Indem du deine Angst präzise benennst, reduzierst du die emotionale Intensität. Je konkreter etwas umschrieben ist, desto weniger bedrohlich wirkt es und desto effektiver kannst du den Umgang damit steuern lernen.

2. Wachstum

Jedes Mal, wenn du einen Meilenstein erreichst, passiert es, weil du eine Entwicklung zulässt. Entwicklung bedeutet Wachstum. Denselben Mindset, der dieses Wachstum ermöglicht hat, kannst du unendliche Male abrufen.

3. Mut

Du musst dich nicht mutig fühlen, um mutig zu handeln. Mut bedeutet, dass der Wunsch nach Überwindung grösser ist als die Angst vor dem Probieren. Mut ist keine Emotion, sondern eine bewusste Entscheidung.

4. Fokus

Angst entsteht im Kopfkino. Handlung passiert in der Realität. Die Realität einer Situation ist gesetzt, aber dein Kopfkino kannst du beeinflussen und mit gezielten Übungen reduzieren, bis es irgendwann nicht mehr stört. Über Bewegung, Atmung und Stimme bieten sich z.B. effektive Methoden an. Indem du den Fokus auf Identitätsentfaltung richtest («Wer werde ich, wenn…?») statt auf Ergebnisorientierung («Was passiert, wenn…?»), nimmst du zusätzlich Druck weg und steigerst dein Selbstwertgefühl.

Der Fokus Shift

Angst entsteht im Unterbewusstsein. Sie kreist immer um dich selbst. Du spürst sie anhand von körperlichen Symptomen. In Situationen, wo du rasch entscheiden oder handeln musst, brauchst du sofort Zugriff auf deine Kraft, z.B. vor einem spontanen Auftritt, einer Krisensitzung o.ä. Hier wirken einfach umsetzbare Tools wie Embodiment oder Atemtechnik gemäss dem Prinzip «Verändere den Körper – und du veränderst den Zustand».

Dein Nervensystem folgt deiner Haltung, die Energie folgt deiner Aufmerksamkeit. Wenn du den Fokus auf Wirkung und Mehrwert statt auf Selbstbewertung richtest, verliert die Angst ihre Bühne.

Fazit:

Self Leadership ist keine Routine für deine Komfortzone, sondern ein tägliches aktives Commitment zu Klarheit, Wachstum, Mut, Fokus und innerer Stärke, also zu deiner nächsten Entwicklungsstufe. Die Angst verschwindet nicht auf diesem Weg, aber sie verändert ihre Rolle vom Gegner und Feindbild zum Trainingspartner und Wegweiser.


Über die Autorin

Tatjana Gaspar hat nach ihrem Studium (Lic. Phil. I) an der Uni Genf 30 Jahre in der Finanz- und Bankenwelt gearbeitet. Heute ist sie als syst. Coach (Dipl. OA) und Dozentin (Eidg. FA) tätig. Mit Schwerpunkt Self-Empowerment im Business unterstützt sie Hochqualifizierte dabei, das nächste Level belastungsfrei zu erreichen und ihre Kompetenzen zum Strahlen zu bringen.

Parallel ist sie CEO der Lateinamerikanischen Handelskammer, wo sie neben Business Development, Finanzen, Marketing und Branding erfolgreich Events und Webinare für ein internationales Publikum durchführt.

Lilytrust Consulting
Tatjana Gaspar

Webseite: lilytrust-consulting.ch
Email: mail@lilytrust-consulting.ch
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Der grösste Mangel in der Selbstständigkeit

Autorin: Valentina Bründer

Gerade in Phasen von Wachstum, Sichtbarkeit und Veränderung braucht es mehr als Strategie. Es braucht innere Stabilität & Selbstvertrauen.

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich zum ersten Mal gegenüber einem ehemaligen Kollegen gesagt habe:

«Ich bin selbstständig.»

Es fühlte sich wackelig und falsch an. Ich habe die Scham in mir gespürt und hätte mich am liebsten in Luft aufgelöst.

Jahrelang habe ich in Strukturen gearbeitet, die mir sagten, wo ich hingehöre, wer ich bin, was ich kann. Gespiegelt durch einen Titel, Gehalt, Feedback von Vorgesetzten. Plötzlich war das alles weg. Dafür Trauer nicht mehr dazuzugehören. Ab jetzt musste ich selbst wissen, wer ich bin, wo ich hingehöre, mir Struktur geben.

Die Alte loslassen, bevor das Neue da ist

Was in der Selbständigkeit passiert, ist nicht einfach ein Jobwechsel. Es ist ein Identitätsprozess. Der Gang durchs berühmte Nadelöhr.

Es verändert alles und ist unbequem. Durch die systemische Brille betrachtet verlässt du ein Feld, das dir Zugehörigkeit, Orientierung und Bestätigung gegeben hat. Eine Identität.

Du verlässt eine Rolle, die dein Nervensystem kannte. In der Sicherheit und dein Selbstwert definiert wurden. Ist es eine Überraschung, das etwas in dir mit Alarm reagiert?

Viele Frauen, die zu mir kommen, stecken genau hier fest. Sie sind keine Angestellten mehr, können sich aber auch noch nicht Unternehmerin nennen, ohne innerlich zusammenzuzucken oder sich direkt zu schämen.

«Ich versuche es mal mit der Selbstständigkeit» oder «Ich bin noch ganz am Anfang». Sätze, die ich häufig höre. Damit halten sie sich klein, auch wenn sie längst Expertise mitbringen, für die andere viel Geld bezahlen.

Dein System sucht nach Sicherheit und Kohärenz. Die Sicherheit in der alten Identität ist nicht mehr richtig greifbar und die Neue noch nicht spürbar. Es braucht Beweiserfahrungen, Erlaubnis und deine Selbstführung.

Dein Nervensystem ist die heimliche Geschäftsführerin

Wenn wir über Selbstvertrauen sprechen, dann meinen wir das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Handlungen. In sich selbst.

Wie kann es entstehen, wenn wir darauf konditioniert sind auf Bewertung anderer mehr zu hören als auf uns? Wie kann es wachsen, wenn wir mit Sätzen gross geworden sind, wie:

«Das machst du falsch.»
«Deine Schwester hat das aber besser gemacht.»
«Das ist nichts für Mädchen.»

Genau solche Sätze definieren unsere Identität bis in Erwachsenenalter. Sie limitieren, sabotieren und lassen uns immer wieder an unseren Kompetenzen zweifeln.

Solange das deine Realität ist, entscheidet dein Nervensystem gegen dich als Selbstständige.

Du möchtest einen Vortrag über dein Herzensthema halten und kannst schon Tage davor kaum schlafen.
Du schreibst deinen ersten Beitrag für Social Media und veröffentlichst ihn im letzten Moment doch nicht.
Du bekommst eine Anfrage und fängst an deinen Preis schon zu rechtfertigen.

Alles von Frauen gehört, alles selbst erlebt. Dieses Gefühl, sich selbst nicht trauen zu können, obwohl alle Kompetenzen vorhanden sind. Der Kopf weiss es und trotzdem glaubst du es dir nicht.

Es ist kein Persönlichkeitsdefizit. Aus traumasensibler Brille ist es eine alte automatische Schutzstrategie, die der Körper irgendwann gelernt hat.

Das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen damals und heute

Wenn ein Kind wiederholt die Erfahrung macht, dass die eigenen Fähigkeiten, Ideen oder Entscheidungen falsch sind, nicht gut genug, dann speichert das Nervensystem eine klare Message: Ich kann mir selbst nicht trauen.

Das ist keine bewusste Überzeugung. Das ist eine körperliche Wahrheit, gespeichert in der Art, wie das autonome Nervensystem auf bestimmte Situationen reagiert. Und diese Reaktion läuft auch dreissig Jahre später noch ab, beim Schreiben eines Angebots, beim Posten auf Social Media, beim Aussprechen deines Preises.

Die unsichtbaren CEOs, die alles steuern

Unter dem mangelnden Selbstvertrauen liegen fast immer Glaubenssätze, Konditionierungen.

«Erst wenn alles perfekt ist, darf ich mich zeigen.»
«Was mir leichtfällt, kann nicht wertvoll sein.»
«Frauen wie ich bauen kein Business auf.»

Diese Sätze sind nicht ausgedacht. Sie wurden gelernt, in Familien, Schulen, Beziehungen, Arbeitskontexten. Sie haben sich ins Nervensystem eingebrannt und definieren deine Identität. Und jetzt, wo du etwas tust, das diesen Sätzen widerspricht und förmlich als Gefahr bewertet wird, werden sie laut.

Damit trägst du nicht nur deine eigenen Überzeugungen, sondern oft auch die deiner Herkunft. Die Zweifel deiner Mutter. Die Angst deines Vaters. Den unausgesprochenen Satz: Du kannst dir selbst nicht trauen.

Dein Selbstvertrauen kann nicht wachsen, solange diese Sätze unberührt bleiben. Sie zu erkennen ist der erste Schritt. Sie zu hinterfragen und zu transformieren, der zweite.

Selbstvertrauen ist kein Gefühl, das vom Himmel fällt

Was ich auf meinem eigenen Weg gelernt habe: Selbstvertrauen entsteht nicht im aussen. Solange dein System die alte Leier immer wieder abspielt, wird es sich nicht nachhaltig verändern. Du brauchst die Handlung und du darfst die alte Geschichte in dir korrigieren.

Das erste Angebot, das du mit zittrigen Händen rausschickst, den ersten Preis, den du hältst und nicht runterhandelst. Beweise, dass die Welt nicht untergegangen ist und du immer noch lebst.

Dein Körper lernt durch Erfahrung, nicht durch Affirmationen vor dem Badezimmerspiegel. Er lernt durch erlebte Sicherheit in neuen Situationen. Jeder kleine Schritt ist ein Signal an dein Nervensystem: Es ist okay. Ich halte das aus. Ich darf das.

Und dann darfst du anfangen dich mit Selbstvertrauen zu führen. Durch das nächste Verkaufsgespräch, den umsatzschwachen Monat und durch die neue Klientenzusage. Du musst nicht warten, bis es da ist. Das Vertrauen wächst im Prozess, im Gehen.


Über die Autorin

Valentina Bründer steht für Souveränität und Selbstvertrauen. Als zertifizierte Gründungsberaterin, Systemischer Coach (DGSF) & EMDR-Coach begleitet sie Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit und in ihrem Wachstumsprozess. Weil sie weiss, wie es sich anfühlt, alles zu können und sich trotzdem nicht zu trauen.

Sie war 20 Jahre im Angestelltenverhältnis, Führungskraft im Maschinenbau, hatte 8-stellige Umsätze und ist trotzdem gegangen. Mit Angst an der einen Hand und Vertrauen an der anderen.

Valentina Bründer
Valentina Bründer

Webseite: valentinabruender.com
Email: info@valentinabruender.com
Telefon: +49 160 95 328 804

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